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Uni-Essen
14. März 2017

Seminar SE Vertiefungskurs Ethik Ethischer Partikularismus

Es ist naheliegend, moralisches Urteilen als deduktiv strukturiert zu denken: Man soll z.B. kein Versprechen brechen; Handlung h wäre ein Fall des Versprechen-Brechens; also sollte man h unterlassen. Wie ist es aber, wenn man durch das Einhalten des Versprechens großes...

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Es ist naheliegend, moralisches Urteilen als deduktiv strukturiert zu denken: Man soll z.B. kein Versprechen brechen; Handlung h wäre ein Fall des Versprechen-Brechens; also sollte man h unterlassen. Wie ist es aber, wenn man durch das Einhalten des Versprechens großes Leid herbeiführen würde? Oder wenn man dadurch dem Versprechensadressaten zu einem unfairen Vorteil gegenüber Anderen verhelfen würde? Es kann den Anschein haben, dass moralische Prinzipien von Ausnahmelisten flankiert sein müssen. Aber ist es plausibel, dass solche Listen vollständig und begründet aufgestellt werden können? Alternativ könnte man der Meinung sein, dass das Gebot, Versprechen einzuhalten, nur so lange gilt, wie es nicht mit einer gewichtigeren moralischen Norm in Konflikt gerät. Ein solches Modell ist aber nur dann kohärent vertretbar, wenn man eine Rangordnung aller relevanten moralischen Normen begründen kann. Ob dies zu leisten ist, kann auch zweifelhaft erscheinen. Ausgehend von solchen Schwierigkeiten kommt der ethische Partikularist zum Schluss, dass unsere moralischen Urteile situationsspezifisch, d.h. durch keine Prinzipien geleitet, sind. Es sei sogar so, dass ein Gesichtspunkt, der in einer ersten Situation ein Grund für eine Handlung h ist, in einer zweiten Situation als Grund gegen h gelten kann. Im Vertiefungskurs werden wir uns mit Jonathan Dancys einflussreichen Konzeption des Partikularismus befassen. Teilnahmevoraussetzungen: Bereitschaft zu regelmäßiger Anwesenheit, zur wöchentlichen Lektüre ausschließlich englischer Texte und zu engagierter mündlicher Mitarbeit. Jonathan Dancy, Moral Reasons, Oxford: Blackwell 1993. Philosophie Universität Duisburg-Essen SS 2011 Professor Roughley Neil