Zurück zum Vorlesungsverzeichnis
Uni-Essen
14. März 2017

Seminar SE VK Wissenschaftstheorie Wissenschaftstheorie im Neukantianismus

Seit dem Aufkommen der Wissenschaftstheorie als eigenständiger philosophischer Disziplin im ausgehenden 19. Jahrhundert standen vor allem die Naturwissenschaften im Mittelpunkt der Untersuchungen. Diese Fokussierung prägt die Wissenschaftstheorie bis heute, wobei sie eine besonders radikale Grundhaltung bereits in der ersten Hälfte...

Erstelle deinen persönlichen Lernplan

Wir helfen dir, diesen Kurs optimal vorzubereiten — mit einem individuellen Lernplan, Tipps und passenden Ressourcen.

Jetzt Lernplan erstellen
Seit dem Aufkommen der Wissenschaftstheorie als eigenständiger philosophischer Disziplin im ausgehenden 19. Jahrhundert standen vor allem die Naturwissenschaften im Mittelpunkt der Untersuchungen. Diese Fokussierung prägt die Wissenschaftstheorie bis heute, wobei sie eine besonders radikale Grundhaltung bereits in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts entfaltete. Die Ablehnung der Werturteile im Logischen Empirismus, die affirmative Orientierung am Methodenideal der Physik und damit die strenge Festlegung dessen, was als wissenschaftlich zu gelten hat, führte zu einer nachhaltigen Vernachlässigung der Geisteswissenschaften: Was nicht als Wissenschaft gilt, bedarf auch keiner wissenschaftstheoretischen Untersuchung. Diese Entwicklung mag überraschen, wenn man bedenkt, dass bereits im Neukantianismus der Anspruch erhoben wurde, die Methodenfragen der Geisteswissenschaften in Ergänzung zu jenen der Naturwissenschaften einer angemessenen Analyse zuzuführen und damit eine wissenschaftstheoretische Grundlage für diese Disziplinen zu schaffen. Im Rahmen des Seminars werden zunächst Texte von Wilhelm Windelband und Heinrich Rickert (Neukantianer der südwestdeutschen Schule) behandelt. In seiner berühmten Rektoratsrede führte Windelband die bis heute wirksame Unterscheidung zwischen nomothetischer Methode der Naturwissenschaften und idiographischer Methode der Geisteswissenschaften ein. Sein Schüler Rickert legte auf diesem Hintergrund die Grundlagen für eine Wissenschaftstheorie der historischen Wissenschaften und prägte bereits im 19. Jahrhundert den Ausdruck -Kulturwissenschaften- für diese Disziplinen. Die Entwicklung der Wissenschaftstheorie im Neukantianismus erreichte schließlich ihren Höhenpunkt mit den Arbeiten von Ernst Cassirer (Neukantianer der Marburger Schule). Dieser begründete die Unterscheidung zwischen Natur- und Kulturwissenschaften mit großer Begriffsschärfe auf phänomenologischer Basis. Philosophie Universität Duisburg-Essen SoSe 2013 Panteos Athena