Uni-Kassel
14. März 2017Seminar Seminar zur spätmittelalterlichen Kunst und Kultur in Kloster Bursfelde
Jeder, der sich schon mal aus der Sommerhitze nach den vielen Eindrücken des Tages in ein kühles Klosterlanghaus gesetzt hat, wandert mit den Blicken die Kirchenwände entlang. Der Blick streift Fenster, Fresken, Wandornamente, Kapitelle, Skulpturen, das aufgeschlagene Buch auf dem...
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Jetzt Lernplan erstellenJeder, der sich schon mal aus der Sommerhitze nach den vielen Eindrücken des Tages in ein kühles Klosterlanghaus gesetzt hat, wandert mit den Blicken die Kirchenwände entlang. Der Blick streift Fenster, Fresken, Wandornamente, Kapitelle, Skulpturen, das aufgeschlagene Buch auf dem Altar, Kirchengerät und vieles mehr. Wie gehört dies alles zusammen? Wie war einst der Wirkungszusammenhang? Welche Bedeutung kommt welchem Element in diesem Sinngefüge zu? Hier sprechen theologische, architektonische und kunstgeschichtliche Momente miteinander und erst die gemeinsam vorgenommene Betrachtung der Objekte vermag ein Gefühl dafür zu vermitteln, wie das einst funktioniert haben könnte.
Die Benediktinerabtei Bursfelde wurde im Jahr 1093 gegründet. Mönche aus Corvey errichteten im Auftrag von Graf Heinrich (dem Fetten) von Northeim ein Kloster in der Nieme-Aue. Heute immer noch idyllisch abgelegen, sind die romanische Basilika und der Westflügel des Klosters erhalten, der 1722 zum Gutshaus umgebaut wurde. Den Bau erlebt man heute geteilt als Westkirche, ab 1450 ausgemalt, und als Ostkirche mit gotischen Maßwerk-Fenstern. Die Denkmalpflege hat ebenso aktuellen Diskussionsbedarf an dieser Stelle.
1439 wird Johannes Hagen Abt von Bursfelde. Aufbauend auf den Consuetudines von Abt
Johannes Dederoth (ab 1430 Abt in Klus) wird Bursfelde unter Hagen Ausgangspunkt eines Netzwerks von Reformklöstern – der sogenannten Bursfelder Kongregation. Diese Reformen wurde in intensivem Austausch unter bestimmten Mönchen diskutiert, wobei Nicolaus Cusanus (1401-1464), als päpstlicher Legat in Deutschland, 1451/52 großen Anteil daran nahm. Daher beschäftigen wir uns auch mit diesem großen Gelehrten des 15. Jahrhunderts und vor allem mit seiner Schrift De visione Dei, wo in Kap. 9 zu lesen ist: -So habe ich den Ort gefunden, an dem Du unverhüllt gefunden werden kannst. Er ist vom Ineinsfall der Gegensätze umgeben. Er ist die Mauer des Paradieses, in dem Du wohnst. Seine Pforte bewacht der höchste Geist des Verstandes. Wird dieser nicht besiegt, wird der Zugang nicht offen sein.- Die Leitfrage, die an diesem Ort verfolgt wird, lautet daher: wie gestaltet sich das Zusammenspiel von Kunst, Theologie, Geschichte und Philosophie in der Zeit vor 1500?
Eine besondere Betrachtung gilt der inzwischen nachvollziehbaren Rekonstruktion der spätmittelalterlichen Bibliothek Bursfeldes, von dem sich ein Teilbestand auch in der Murhardschen Bibliothek in Kassel befindet.
Die Tagungsstätte Bursfelde wird heute von der Universität Göttingen genutzt. Wir dürfen dort zu einem sehr moderaten Preis (45€ für Studierende) insgesamt 3 Tage für uns verbringen. Ziel ist es daher, als Dank an den Abt des Klosters als Abschluss des Seminars (Ihre Hausarbeiten gekürzt) für diesen Ort, eine kleine Schrift zu entwerfen, wie man sich diesem Kloster nähern kann, was daran bemerkenswert ist und welche Geschichte es zu erzählen vermag; d.h. jeder Teilnehmer soll abschließend in Form seiner Hausarbeit und deren Kurzfassung seinen Teil für das Büchlein beitragen.
Das Seminar richtet sich an vorrangig an Masterstudenten und B.A. Studenten ab dem 5. Semester.
Kunsthochschule Kassel
1,9802e+10
Uni Kassel
SoSe 2013
Kunstwissenschaft
Kunsthochschule Kassel
Prof. Dr.
Sitt Martina