Uni-Dortmund
14. März 2017Seminar Text und Bild Georg Christoph Lichtenbergs Ausführliche Erklärung der Hogarthischen Kupferstiche 1784 8211 1796 1794 8211 1799
Kurzbeschreibung: Die heute zur Weltliteratur zählenden ‚Sudelbuch‘-Notizen des Göttinger Experimentalphysikers und aufklärerischen Schriftstellers Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) begannen erst 1800, ein Jahr nach seinem Tod, zu erscheinen; Zeitgenossen war der Herausgeber des Göttinger Taschen Calenders vor allem als Gegner der...
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Jetzt Lernplan erstellenKurzbeschreibung: Die heute zur Weltliteratur zählenden ‚Sudelbuch‘-Notizen des Göttinger Experimentalphysikers und aufklärerischen Schriftstellers Georg Christoph Lichtenberg (1742–1799) begannen erst 1800, ein Jahr nach seinem Tod, zu erscheinen; Zeitgenossen war der Herausgeber des Göttinger Taschen Calenders vor allem als Gegner der Physiognomik von Johann Caspar Lavater und als Kommentator des englischen Malers und Kupferstechers William Hogarth (1697–1764), des modernsten und populärsten Illustrators seiner Zeit, ein Begriff, die im Göttinger Taschen Calender zwischen 1783 und 1795 Jahr für Jahr jeweils im Herbst veröffentlicht wurden. Daraus hervorgegangen sind in fünf Lieferungen die zwischen 1794 und 1799 mit großem Erfolg in Lichtenbergs Götinger Hausverlag von Joh. Christ. Dieterich erschienenen Ausführlichen Erklärungen der Hogarthischen Kupferstiche, mit verkleinerten aber vollständigen Copien derselben von E. Riepenhausen. Ihre Gegenstände sind -Herumstreichende Komödiantinnen-, eine -Punschgesellschaft-, -Der Weg der Buhlerin-, -Der Weg des Liederlichen-, -Die Heirat nach der Mode- oder -Fleiß und Faulheit-, kurz: Es handelt sich um eine Dokument bzw. Monument des deutsch-englischen Kulturtransfers, eine britische Sittengeschichte im Spiegel englischer Kupferstiche aus deutscher Perspektive. Was aber sieht Georg Christoph Lichtenberg? Und wie bzw. warum sieht er es, während seine Leser es erst durch seine Optik zu sehen gelernt haben bwz. lernen (für viele seiner zeitgenössischen Leser ein ausdrücklich beglückendes Erlebnis)? Lichtenberg sah nur zwei Wege, Hogarths Werke zu erklären, den prosaischen, sich auf die bloße Erklärung des Kontextes einer fremden Kultur beschränkenden, und den poetischen, die intermediale Übertragung britischer bildender Kunst in deutsche Schriftstellerei: -Was der Künstler da gezeichnet hat, müßte nun ach so gesagt werden, wie Er es vielleicht würde gesagt haben, wenn er die Feder so hätte führen können, wie er den Grabstichel geführt hat. Mitunter könnte auch den Hieben, die er dem Laster und den Torheiten seines Vaterlandes damals so reichlich mitteilte, durch eine kleine Wendung eine Richtung gegeben werden, daß etwas davon auch auf neuere Köpfe fiele; nur versteht sich, nicht auf individua, sondern immer auf Klassen- (aus der -Vorrede- zur Ersten Lieferung). Zur Diskussion stehen werden in diesem Hauptseminar also u. a. die Kritik am Rationalismus der Aufklärung (von besonderen Interesse sind hier Lichtenbergs Kommentare zu Hogarths Darstellungen von Irr- bzw. Wahnsinn, aber auch Verbrechen), die Semiotik im allgemeinen, Lichtenbergs Zeichentheorie im besonderen, Fragen der Wissenspopularisierung, das Verhältnis von Lichtenbergs Hogarth-Kommentaren zur Kunstgeschichte bis hin zu möglichen Verbindungen mit dem Comic. Zur Rekonstruktion der Textgenese bietet sich, da keine Handschriften erhalten sind, der aufschlußreiche Vergleich zwischen den Fassungen im Göttinger Taschen Calender und in der Buchform an.
Lernziele/Kompetenzen: Vorab soll in der Diskussion geübt werden, Fragen der ‚Lesbarkeit‘ von Bildern im allgemeinen, Gesichtern und Gesten auf dem Spannungsfeld zwischen Physiognomik und Pathognomik, aber auch Symbolen im besonderen method(olog)isch zu reflektieren. Von besonderem Interesse werden dabei insbesondere semiotische und sprachliche bzw. rhetorische Strategien sein, etwas Sichtbarem durch das Sprechen allererst Augenfälligkeit, das heißt Evidenz zu verleihen. Es wird also darum gehen, das historisch äußerst wandelbare Verhältnis zwischen (Un)Sichtbarem und (Un)Sagbarem begrifflich und erkenntniskritisch zu durchdringen.
Teilnahmemodalitäten/Voraussetzungen: Obligatorisch ist vorab die Anwesenheit in der ersten Sitzung vom 10. April 2014 – in der die genaue(re)n Teilnahmebedingungen in Form des Programms bekanntgegeben werden –, die sich durch die Anwesenheit in den folgenden Sitzungen konsolidiert und, gemeinsam mit der Verpflichtung zu einem Impulsreferat im Rahmen einer Arbeitsgruppe, schließlich in der dritten Sitzung zur definitiven Anmeldung führt.
Modulprüfung: Hausarbeit.
Eignung für angewandte Studiengänge: Im Sinne der unter Lernziele/Kompetenzen formulierten Voraussetzungen bietet sich das Hauptseminar besonders für Studierende der angewandten Kultur- und Literaturwissenschaften an, die an historischen Fragen des englisch-deutschen Kulturtransfers und der Intermedialität interessiert sind.
Institut für deutsche Sprache und Literatur
Technische Universität Dortmund
SoSe 2014
Deutsch BA LABG2009
Prof. Dr.
Stingelin Martin