Uni-Essen
14. März 2017Seminar Übung Handel Welterkundung Abenteuer Reiseliteratur der Frühen Neuzeit
Die Entdeckung, Unterwerfung, Missionierung, ökonomische Nutzung oder auch wissenschaftliche Erkundung
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Jetzt Lernplan erstellenDie Entdeckung, Unterwerfung, Missionierung, ökonomische Nutzung oder auch wissenschaftliche Erkundung 'neuer Welten' begründet spätestens seit Columbus in Europa ein mächtiges Feld kolonialer Kulturpraxis, das die Frühe Neuzeit vom 16.-18. Jahrhundert wesentlich prägt. Neben Phänomenen wie der Reformation, Renaissance oder Etablierung des Buchdrucks gilt diese Praxis auch als wichtiger Faktor für die Annahme dieser Mikroepoche überhaupt, auf die heute das Augenmerk eines ganzen Forschungsparadigmas in den Geschichtswissenschaften gerichtet ist. Entsprechend sind die globalen Reiseaktivitäten in der Frühen Neuzeit von einer intensiven Literaturproduktion begleitet, in der sich ein breites Spektrum von Reisegenres ausdifferenziert (vgl. Apodemik, Atlant, Seebuch, Itinerarium, Meilenscheibe, Reisetagebuch, Pilgerbericht, Reisechronik, Brief, Expeditionsbericht, Abenteuerroman etc.). Die Veranstaltung gibt hierzu einen Überblick und vermittelt die einschlägigen historisch-theoretischen Hintergründe (von der Rhetorik bis hin zur Alteritätsforschung). Im historischen Bogenschlag vom 16. bis zum 18. Jahrhundert gelesen werden im Bereich der faktualen Reiseliteratur auszugsweise z.B.:
• Sebastian Franck: Weltbuch, Spiegel und Bildnis des ganzen Erdbodens (1534) • Hans Staden: Brasilien – Die wahrhaftige Historie der wilden, nackten, grimmigen Menschenfresser-Leute (1557) • Sigmund Feyerabend: Reyssbuch des heyligen Lands (1584) • Adam Olearius: Moskowitische und persische Reise (1656) • Georg Christoph von Neitzschitz: Sieben-Jährige und gefährliche WeltBeschauung Durch die vornehmsten Drey Theil der Welt Europa, Asia und Africa (1666) • Jürgen Andersen und Volquard Iversen: Orientalische Reise-Beschreibungen (1669) • Engelbert Kaempfer: Amoenitates Exoticae (Seltsames Asien, 1712) • Georg Forster: Reise um die Welt (1777) oder • Joachim Heinrich Campe: Die Entdeckung von Amerika (1781).
Bei der Lektüre der frühneuzeitlichen Reise- und Abenteuerromane beschäftigen uns u.a. Klassiker wie:
• Fortunatus (1509) • Eberhard Werner Happel: Der insulanische Mandorell (1682) • Johann Jacob Christoffel von Grimmelshausen: Simplicissimus Teutsch (1669) und • Johann Gottfried Schnabel: Die Insel Felsenburg (1731-42).
Die zumeist in Auszügen zu lesenden Quellen aus der Frühen Neuzeit werden in einem virtuellen Semesterapparat zur Verfügung gestellt.
Grundlegende Forschungsliteratur:
• Peter J. Brenner (Hg.): Der Reisebericht. Die Entwicklung einer Gattung in der deutschen Literatur. Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1989.
• Christoph Driessen: Die kritischen Beobachter der Ostindischen Compagnie. Das Unternehmen der -Pfeffersäcke- im Spiegel der niederländischen Presse und Reiseliteratur des 17. Jahrhunderts. Universitätsverlag Brockmeyer, Bochum 1996.
• Xenia von Ertzdorff / Dieter Neukirch (Hgg.): Reisen und Reiseliteratur im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Amsterdam / Atlanta 1992. (Chloe. Beihefte zum Daphnis, 13).
• Roelof van Gelder Das ostindische Abenteuer. Deutsche in Diensten der Vereinigten Ostindischen Kompanie der Niederlande (VOC), 1600-1800. Convent Verlag, Hamburg 2004. (= Schriften des Deutschen Schiffahrtsmuseums 61).
• Bernhard Jahn: Raumkonzepte in der Frühen Neuzeit. Zur Konstruktion von Wirklichkeit in Pilgerberichten, Amerikareisebeschreibungen und Prosaerzählungen. Frankfurt a. Main, Berlin, Bern, New York, Paris, Wien 1993. (Mikrokosmos Bd. 34)
BemerkungZu erbringende Studienleistungen bzw. Bedingungen zum Erwerb eines
Leistungsnachweises werden in der ersten Sitzung bekannt gegeben.
Voraussetzungen
Hinweise zu den Veranstaltungsmodalitäten erhalten Sie in der ersten Sitzung.
Germanistik
Hinweise zu den Veranstaltungsmodalitäten erhalten Sie in der ersten Sitzung.
Universität Duisburg-Essen
SoSe 2014
Professor
Wesche Jörg