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Uni-Essen
14. März 2017

Seminar Übung Musen 8211 Heiliger Geist 8211 Genie Alternativen der Inspirationslehre aus theologischer und philologischer Sicht

Das Seminar reflektiert den kulturgeschichtlichen Topos, dass sich menschliche Beseeltheit und kreatives Ausdrucksvermögen einer göttlichen Kraft verdankt, die seit der Antike unter Begriffen wie ›Enthusiasmós‹, ›Furor poeticus‹, ›Genie‹ oder ›Inspiration‹ diskutiert wird. Erschlossen werden dazu alternative Theorien der Inspiration in...

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Das Seminar reflektiert den kulturgeschichtlichen Topos, dass sich menschliche Beseeltheit und kreatives Ausdrucksvermögen einer göttlichen Kraft verdankt, die seit der Antike unter Begriffen wie ›Enthusiasmós‹, ›Furor poeticus‹, ›Genie‹ oder ›Inspiration‹ diskutiert wird. Erschlossen werden dazu alternative Theorien der Inspiration in theologisch-philologisch vergleichender Sicht. In den Blick kommen dabei ebenso philosophische Klassiker (z.B. Platons Ion und Phaidros oder Pseudo-Longins Traktat Über das Erhabene) wie mythologische und christliche Inspirationsfiguren (z.B. Dämon, David, Engel, Genius, Heiliger Geist, Moses, Musen, Pygmalion, Sibyllen) oder einschlägige anthropologische Modelle (Evangelist, Poeta vates, Prophet, Rhapsode etc.). Exemplarisch untersucht werden darüber hinaus wichtige Inspirationstopoi und -diskurse in Literatur und Kunst wie z.B. das ›wahnsinnige Genie‹ in Senecas De tranquillitate animi, der Musenanruf in der Exordialtopik, die mittelalterliche Visionsliteratur, Albrecht Dürers Rätselallegorie Melencholia I, die ›Schwärmerei‹-Kritik der Aufklärung, der Genie-Topos des ›alter deus‹ um 1800 oder auch die psychopathologische Poetik des Rauschs im Zeichen der ›Neuro-Romantik‹ um 1900. Wie spielen christliche Vorstellungen wie etwa die ›Verbal-Inspiration‹ in solche kulturellen Praktiken und Diskurse hinein? Inwiefern konkurriert z.B. die neuzeitliche Entwicklung des Fiktionsbewusstseins mit der Vorstellung der Eingebung des göttlichen Worts? Solchen Fragen wollen wir im inspirierten Gespräch zwischen beiden Disziplinen auf den Grund gehen. Germanistik Universität Duisburg-Essen WiSe 2014/15 Professor Wittekind Folkart