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Uni-München
14. März 2017

Seminar und Lektürekurs Der innere Gerichtshof Rationalistische Theorien von Gewissen und Gewissenbildung Pufendorf Wolff Baumgarten Kant

Wenn Kant die Aufklärung als den -Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit- und letztere als -das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen- definiert, so lässt sich diese Definition von Unmündigkeit hinsichtlich der Aufklärungsbemühungen um...

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Wenn Kant die Aufklärung als den -Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit- und letztere als -das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen- definiert, so lässt sich diese Definition von Unmündigkeit hinsichtlich der Aufklärungsbemühungen um eine Rationalisierung der menschlichen Handlungen genauso gut auf auf den Begriff des Gewissens übertragen. Denn im 16. und 17. Jahrhundert beginnt sich das Konzept von Gewissen als innerem Gerichtshof (forum internum), welches sich auf die mittelalterliche Beicht- und Bußpraxis der Kirche zurückzuführen lässt, durch die Reformation und durch die Säkularisierungsprozesse der Früneuzeit von seiner institutionellen Verankerung abzulösen. Sowohl Autoren der empitistsischen, als auch solche der rationalistischen Tradition vertreten nun die Ansicht, dass das einzige Maßstab für das Gewissen die eigenen Überzeugungen bzw. Urteile des Verstandes darstellen. Im Seminar soll die Entwicklung der rationalistischen Theorien von Gewissen und Gewissenbildung von Pufendorf über Wolff und Baumgarten bis hin zu Kant untersucht werden, innerhalb deren das Konzept des forum internum zu der Herausbildung einer spezifischen Sphäre der Gesinnung innerhalb des über sich und seinen Handlungen urteilenden Subjekts führt, die als grundlegend für jede Verpflichtung überhaupt aufgefasst wird. Dabei wird im Seminar nicht nur die Funktion des Gewissens für die Rationalisierung der menschlichen Handlungen analysiert, sondern auch der besondere Begrif von Pflicht, der durch die Konstituierung von Gewissen als wirkende Kraft bestimmt wird. • Grotius, Hugo (1950): De jure belli ac pacis. Tübingen. • Pufendorf, Samuel (1672): De jure naturae et gentium libri octo. Londini Scanorum [Lund]. • Wolff, Christian (1996): -Vernünfftige Gedancken (3) (Deutsche Ethik)-. In: Hans Werner Arndt (Hrsg.): Gesammelte Schriften I. Abt., Bd. 4, Hildesheim/New York. • Baumgarten, Alexander Gottlieb (1760): Initia philosophiae practicae primae acroamatice, Halle. • Kant, Immanuel (2004): Vorlesungen zur Moralphilosophie. Hrsg. v. Werner Stark und eingeleitet v. Manfred Kühn, Berlin/New York: De Gruyter. • Kant, Immanuel: Metaphysik der Sitten (alle Ausgaben könnten verwendet werden) • Kant, Immanuel: Religion innerhalb der Grenzen der bloßen Vernunft (alle Ausgaben könnten verwendet werden) Ein Skript mit allen im Seminar zu behandelnden Textausschnitten wird zu Anfang des Semesters zur Verfügung gestellt. Zu den lateinischen Texten wird eine eigene Übersetzung ebenfalls zur Verfügung gestellt, sodass Lateinkenntnisse gewünscht, aber nicht erforderlich sind. Leistungsnachweis • BA-Haupt- und Nebenfach Philosophie: Hausarbeit ODER (Referat+Ausarbeitung bzw. Ergebnisprotokoll); je nach Vorgabe der/s Dozierenden Anmeldung Eine LSF-Belegung oder sonstige Voranmeldung ist nicht erforderlich. • BA-Haupt- und Nebenfach Philosophie: Hausarbeit ODER (Referat+Ausarbeitung bzw. Ergebnisprotokoll); je nach Vorgabe der/s Dozierenden Anmeldung Eine LSF-Belegung oder sonstige Voranmeldung ist nicht erforderlich. LMU München SoSe 2015 Fakultät für Philosophie Wissenschaftstheorie und Religionswissenschaft