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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Vorlesen im Unterricht GS 3.3 auch SPS Begleitseminar Modulzuordnung L1 M3

Lernt man beim Vorlesen Lesen? Was lernen Kinder beim Vorlesen? Wann lernen Kinder beim Vorlesen? – Kein Unterrichts-/Lern- oder Kindheitsforscher wird derzeit den Wert und die tiefe Bedeutung des Vorlesens für die literarische Entwicklung der Kinder bestreiten. Alle Untersuchungen zur...

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Lernt man beim Vorlesen Lesen? Was lernen Kinder beim Vorlesen? Wann lernen Kinder beim Vorlesen? – Kein Unterrichts-/Lern- oder Kindheitsforscher wird derzeit den Wert und die tiefe Bedeutung des Vorlesens für die literarische Entwicklung der Kinder bestreiten. Alle Untersuchungen zur Lesesozialisation belehren uns darüber, dass Kinder, denen in der Familie und vor der Schule viel vorgelesen wird, auch in der Schule ein erhöhtes Interesse am Lesenlernen und am Umgang mit Büchern haben. Die Familie, schreibt Bettina Hurrelmann, ist die wichtigste Vermittlerin von Lesekompetenz (Hurrelmann 2002, 138). Das gemeinsame Betrachten von Bilderbüchern, der Dialog über Betrachtetes und Vorgelesenes und das lesende Modellverhalten der Eltern sind hier die wichtigsten sozialen Einflussfaktoren. Die Familie ermöglicht auf diese Weise elementare Erfahrungen mit einem dekontextualisierten Umgang mit Sprache. Es ist also nicht der direkte Erwerb von Buchstaben oder die gezielte frühe Übung mit Buchstaben, die die Entwicklung von Lesekompetenz vorbereitet. Lesekompetenz wird in anderer Weise vorbereitet: durch regelmäßiges und ritualisiertes Vorlesen und durch den Umgang mit Büchern entsteht eine dauerhafte Lesemotivation. Ferner richten sich die sprachlich-kognitiven Fähigkeiten der Kinder auf geschriebene Sprache. Und schließlich werden durch das Zusammensein mit den Eltern (ibs. der Mutter) über den sozialen Austausch emotionale und affektive Erfahrungen an die vorgelesenen Texte geknüpft und an die Bücher, aus denen vorgelesen wird. Zweifellos muss die Schule solche Erfahrungen aufgreifen und weiter führen (oder überhaupt erst ermöglichen), wenn alle Kinder literarische Erfahrungen machen sollen. Diese Einsicht ist so neu nicht, und alle Lehrpersonen der Grundschule sind deshalb für jede Möglichkeit dankbar, die in der Schule Zeiten und Räume zum Vorlesen eröffnet. Im Seminar wird es darum gehen, die Gestaltung von Texten beim Vorlesen im Hinblick auf literarische Lernprozesse zu bedenken. Dabei sollen Kriterien für eine gute Lesung über Formen der Selbsterfahrung erarbeitet werden. Schließlich wird auch nach der Funktion des Vorlesens für literarische Lernprozesse gefragt. Voraussetzung für die Teilnahme an einer Modulteilprüfung ist die regelmäßige Teilnahme und die aktive Übernahme einer Aufgabe im Seminar. Das kann die Vorbereitung und Reflexion einer Lesung sein, die Analyse einer Fremdlesung oder die Übernahme eines Referats. Modulteilprüfung ist dann ein Kolloquium (auf Grundlage eines Referats), eine Klausur, ein Portfolio oder eine Hausarbeit. Literatur zur Vorbereitung: Petra Wieler (1997): Das Prinzip der Dialogizität als Grundzug der familialen Vorlesepraxis mit Kindern im Vorschulalter. In: Garbe, Christine/Werner Graf/Cornelia Rosebrock/Erich Schön (Hrsg.): Lesen im Wandel. Probleme der literarischen Sozialisation heute. Lüneburg, S. 65-99. FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel SS2007 Prof. Dr. Kruse Norbert