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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Wo die Liebe hinfällt Paarbeziehungen in mittelalterlicher Literatur

Wo die Liebe hinfällt – diese Redensart beruft sich auf ein emotionales Dilemma. Man kann nämlich nicht immer beeinflussen, in wen und wann man sich verliebt, so dass auch ungewöhnliche, überraschende oder sogar ungewollte Paarbeziehungen entstehen können. Unter den in...

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Wo die Liebe hinfällt – diese Redensart beruft sich auf ein emotionales Dilemma. Man kann nämlich nicht immer beeinflussen, in wen und wann man sich verliebt, so dass auch ungewöhnliche, überraschende oder sogar ungewollte Paarbeziehungen entstehen können. Unter den in der mittelalterlichen Literatur vorgeführten Werten einer höfischen Kultur nimmt die Minne – also die 'höfische Liebe' – einen herausragenden Platz ein, denn sie zeichnet die Liebenden als ideale höfische Menschen aus, selbst wenn deren Beziehung jenseits der Norm verortet wird – wie sich an Tristan und Isolde zeigt. Fiktionale Paarbeziehungen und Ehekonstellationen verstanden als zentrale Übergangsrituale, die die Besonderheit des einzelnen Paars prägen und zugleich herrschende Geschlechterverhältnisse spiegeln können, stehen dabei im Mittelpunkt. Einerseits ermöglichen die literarischen Beziehungsformen vieldeutige Minnemodelle, andererseits dominieren in der Inszenierung der Ehe und ihrer Vorbereitungsphase aber auch wiederkehrende Vorstellungen von Geschlechter- und Paarbeziehungen. Da diese 'höfische Liebe' aber in erster Linie in der Dichtung entworfen wird und in hohem Maße auf die Vermittlung durch diese angewiesen ist, stellt sich wiederholt die Frage: Wie lässt sich ein solches Gefühl eigentlich in Worte fassen? Wie kann man ein gefühlvolles Empfinden und emotionales Erleben sprachlich entwerfen? Und welches Wirkpotential entfalten Minnekommunikationen? Die Reflexion darüber, was 'höfische Liebe' sein kann, stellt sich somit auch als Reflexion über das heraus, was Dichtung vermag: Also nicht nur 'Liebe' als Literatur, sondern auch Liebeserfahrung als Literaturerfahrung. Doch im Unterschied zu anderen Emotionen, die in mittelalterlicher Literatur offensichtlichen Ausdrucksformen folgen, äußert sich Minne dagegen höchst missverständlich und ungeregelt. Gerade dieser Mehrdimensionalität 'höfischer Liebe' sucht das Seminar in unterschiedlichen literarischen Texten auf die Spur zu kommen, so dass differente Vorstellungen und gendertypisierte Konflikte, die sich auf Figuren- und Erzählerebene mit den emotionalen Verhaltensmustern verbinden können, offen gelegt werden. FB 02 Institut für Germanistik Uni Kassel WiSe 2014/15 Germanistik/Deutsch Dr. Schul Susanne