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Uni-Kassel
14. März 2017

Seminar Zur Plausibilität von Gedankenexperimenten

In vielen philosophischen Texten arbeiten Autor_innen mit Gedankenexperimenten. Sie setzen Straßenbahnen in Bewegung und stellen die Leser an die Weiche, um zu klären, ob man eher einen oder fünf Menschen überrollen lassen würde; sie schließen die Leser an einen Geiger...

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In vielen philosophischen Texten arbeiten Autor_innen mit Gedankenexperimenten. Sie setzen Straßenbahnen in Bewegung und stellen die Leser an die Weiche, um zu klären, ob man eher einen oder fünf Menschen überrollen lassen würde; sie schließen die Leser an einen Geiger an, um zu erörtern, ob Abtreibung erlaubt ist, oder an eine Maschine, die ihnen jede erdenkliche Erfahrung bietet, um zu zeigen, dass Glück nicht alles ist, wonach wir streben. Da werden Gehirne verpflanzt, Zombies erweckt und alternative Welten erfunden, um herauszufinden, was Personen ausmacht oder was Bewusstsein ist. Man wird hinter einen Schleier des Nichtwissens oder in einen Naturzustand imaginiert, um festzustellen, welche Form von Gerechtigkeitsprinzipien man bevorzugt oder welche Staatsform legitim ist. Diesen Gedankenexperimenten ist gemein, dass versucht wird, ohne empirische Grundlage zu einer Erkenntnis zu gelangen. Doch wie plausibel ist dieses Vorgehen? Gibt es Anforderungen an gute Gedankenexperimente, die sich z.B. in Form von Kriterien formulieren lassen, die ein Gedankenexperiment plausibler machen? Gibt es Bereiche der Philosophie, in denen Gedankenexperimente sinnvoller angewandt werden können als in anderen? Ist Plausibilität überhaupt ein gutes philosophisches Entscheidungskriterium? Diese Fragen sollen im Seminar anhand einschlägiger Gedankenexperimente diskutiert werden. Diese Veranstaltung ist Teil einer thematisch gebundenen, fachübergreifenden und interdisziplinären Seminarreihe, organisiert vom Geistes- und Kulturwissenschaftlichen Doktorandenkolleg des Fachbereichs 02 (GeKKo). Eine Teilnahme an einem der anderen Seminare ist nicht erforderlich, um dieses Seminar erfolgreich zu absolvieren. Alle Seminare kommen am Dienstag, 27.10.2015, 18-20 Uhr (Campus Center HS 3) zusammen, wo das Rahmenthema Plausibilität von Martin Böhnert und Paul Reszke vorgestellt und einleitend diskutiert wird. Der von ihnen publizierte Text Linguistischphilosophische Untersuchungen zu Plausibilität - Über kommunikative Grundmuster bei der Entstehung von wissenschaftlichen Tatsachen bildet dazu die Grundlage. Danach erarbeiten die einzelnen Seminargruppen spezifisch aus ihrer je eigenen Fachperspektive bis zur Weihnachtspause Ideen, Anwendungsbeispiele und Kritik in Bezug auf Plausibilität. Am Ende treffen sich alle Seminare wieder zu einem gemeinsamen Blocktermin, wo sie ihre Ergebnisse präsentieren und diskutieren. (Dienstag, 26.01.2016, 16-20 Uhr, CC HS 3.) Andere Veranstaltungen des Fachbereichs 02 zu dem Thema sind: - Germanistische Literaturwissenschaft; Essi Djinkpor/Phoebe Schmidt: -Unser Ende ist euer Untergang- - Die Bedeutung oraler Tradierung bei indigenen Stämmen und afrikanischen Urvölkern. - Germanistische Literaturwissenschaft; Urania Milevski: Plausibles Erzählen - Germanistische Mediävistik; Johanna Müller: Wie aus dem Drachen ein Krokodil wurde - Zur Herstellung von Plausibilität im und über das Mittelalter - Theologie; Daniel Haase: -Ende gut, alles gut!-? - Der sekundäre Markusschluss Literatur: Ein Reader mit den entsprechenden Texten wird zu Beginn des Seminars zur Verfügung gestellt. Die meisten der zu besprechenden Texte sind in englischer Sprache verfasst, wobei einige in Übersetzungen vorliegt. FB 02 Institut für Philosophie Uni Kassel WiSe 2015/16 Philosophie Dr. Schnitker Jens