Uni-Siegen
14. März 2017SOLLEN Das Wollen des Anderen
Ständig sind wir damit konfrontiert, was Familie, Freunde, die Uni, der Gesetzgeber und die Gesellschaft von uns wollen: Was die wollen, ist was wir sollen. Doch auch umgekehrt imponieren wir nach unserem eigenen Willen das Sollen der Anderen. Das unscheinbare...
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Jetzt Lernplan erstellenStändig sind wir damit konfrontiert, was Familie, Freunde, die Uni, der Gesetzgeber und die Gesellschaft von uns wollen: Was die wollen, ist was wir sollen. Doch auch umgekehrt imponieren wir nach unserem eigenen Willen das Sollen der Anderen.
Das unscheinbare und doch sehr gebräuchliche Modalverb sollen ist freilich nur eine Möglichkeit, sprachlich auf Verpflichtungen Bezug zu nehmen oder auch, im performativen Gebrauch, sie aktiv zu installieren. Doch lohnt der genauere Blick auf dieses Verb: In welchem Zusammenhang steht es zu den anderen so genannten Modalverben? Der eine zentrale Bezug zu wollen ist oben schon angedeutet und auch dürfen scheint eng verwandt... Und was hat es mit dem vielleicht noch aufdringlicherem sollte auf sich, das ja wohl zu sollen gehört, aber doch etwas anderes meint: Wenn ich etwas tun soll, muss ich mich mit demjenigen auseinandersetzen, der will, dass ich es tue; wenn ich etwas tun sollte, bin u.U. ich selbst dieser -Andere-, mit dem ich fertigwerden muss, wenn ich es vielleicht doch nicht tun will. Dann kommt sollte auch noch in Zusammenhängen vor, in denen wir kaum noch einen Bezug zu Verpflichtungen sehen würden, etwa im konditionalen Nebensatz: Wenn wir uns morgen sehen sollten, erinnere mich an die Buchbestellung oder in Sätzen wie Das sollte schon klappen. Und auch sollen hat -besondere- Verwendungen, etwa wenn wir sagen: Heute soll es in der Mensa vegane Bolognese gegeben haben.
In diesem Seminar wollen wir das Gebrauchsspektrum von sollen in den Blick nehmen, die Zusammenhänge der Verwendungsweisen ausloten und das Zustandekommen der vielfältigen Fälle aus dem Verwendungskontext nachvollziehen. Am Ende sollten wir, quasi nebenbei, anhand des kleinen Wörtchens so einiges herausgefunden haben über eine große, achso abstrakte Bedeutungskategorie: über Modalität.
Germanistik - Linguistik
Universität Siegen
WiSe 2016/17
Dr. des.
Baumann Carolin des