Uni-Siegen
14. März 2017Sprachwandel empirisch Schriftdeutsch zwischen 1780 und heute
Das Seminar ist ein Experiment. Geplant ist folgender Ablauf: Ein literarischer Text aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts (Goethe: Wilhelm Meisters theatralische Sendung, geschrieben 1773-1778, zuerst gedruckt 1910) wird Kapitel für Kapitel gemeinsam gelesen und systematisch auf Formen, Lexeme...
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Jetzt Lernplan erstellenDas Seminar ist ein Experiment. Geplant ist folgender Ablauf: Ein literarischer Text aus dem letzten Drittel des 18. Jahrhunderts (Goethe: Wilhelm Meisters theatralische Sendung, geschrieben 1773-1778, zuerst gedruckt 1910) wird Kapitel für Kapitel gemeinsam gelesen und systematisch auf Formen, Lexeme und Konstruktionen geprüft, die vom heutigen schrift- und literatursprachlichen Gebrauch abweichen – deren Gebrauch sich also seither merklich verändert hat. Betroffen sind Lexeme: -…die Jugend, die so reich an eingewickelten Kräften ist-. Betroffen sind Flexionsformen: -Schon unter dem Verhör war der Gedanke in Wilhelmen aufgestiegen…-. Betroffen sind syntaktische Konstruktionen: -wenn du nur erst ein paar Häfen solltest gesehen haben…-. Manches ist auf Anhieb unverständlich: -kein gefühltes Wort ging aus seinem Munde-. Die Ausbeute an sprachlichen Phänomenen, die von heutigen Schreibgewohnheiten abweichen, ist groß.
Ausgehend von solchen -auffälligen- Formen, Lexemen und Konstruktionen sollen dann ausgewählte Bereiche des Sprachwandels gesammelt und genauer betrachtet werden. Aus dem Vergleich -veraltet- klingender Formen, Lexeme und Konstruktionen mit ihren heutigen -Entsprechungen- (sofern es so etwas überhaupt gibt) sollen dann Tendenzen des neueren Sprachwandels heraus destilliert und beschrieben werden.
Selbstverständlich können nicht alle Sphären des Sprachwandels gleichermaßen umfassend behandelt werden. Wir können also selbst Schwerpunkte nach unseren aktuellen Interessen setzen, und alternativ auf Form-, Bedeutungs- oder Konstruktionswandel konzentrieren. Das Seminar setzt gründliche Textarbeit voraus und die Bereitschaft, eigenständig mit historischen Wörterbüchern, Grammatiken und mit den Standardwerken der deutschen Sprachgeschichte umzugehen.
Goethe, Johann Wolfgang (1773/78): Wilhelm Meisters theatralische Sendung. [Text wird in elektronischer Fassung zur Verfügung gestellt]
Konopka, Marek (1996): Strittige Erscheinungen der deutschen Syntax im 18. Jahrhundert. Berlin: de Gruyter.
Paul, Hermann (1975): Prinzipien der Sprachgeschichte. 9. Aufl. Tübingen: Niemeyer (zuerst 1880)
Paul, Hermann (2002): Deutsches Wörterbuch. Bedeutungsgeschichte und Aufbau unseres Wortschatzes. 10. Aufl. Tübingen: Niemeyer.
Polenz, Peter von (1994): Deutsche Sprachgeschichte, Band 2: 17. und 18. Jahrhundert. Berlin: de Gruyter.
Germanistik - Sprachwissenschaft I
Für 2/3 LP Studienleistung wird aktive Teilnahme am Seminar erwartet. Größere Punktzahlen (bzw. Prüfungsleistungen) können durch Seminarvorbereitung, Ausarbeitung, Hausarbeit erworben werden.
Universität Siegen
SoSe 2012
Univ.-Prof. Dr.
Knobloch Clemens