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14. März 2017Stillstand und Störung Zur ästhetischen Funktion von medialen Unterbrechungen
Im Alltag wie in Politik, Wirtschaft und Technik, im Verkehr wie in der Kommunikation sind Unterbrechungen der normalen Abläufe in der Regel äußerst störend. Sie führen zu Krisen und Zusammenbrüchen, kurzfristigen Zwischen- oder Unfällen bis zu anhaltenden Katastrophen, und sie...
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Jetzt Lernplan erstellenIm Alltag wie in Politik, Wirtschaft und Technik, im Verkehr wie in der Kommunikation sind Unterbrechungen der normalen Abläufe in der Regel äußerst störend. Sie führen zu Krisen und Zusammenbrüchen, kurzfristigen Zwischen- oder Unfällen bis zu anhaltenden Katastrophen, und sie bewirken je nach medialer Aufmerksamkeit kleinere Reparaturmaßnahmen oder massive Re- oder Neukonstruktionen der gestörten Prozesse.
In Kunst, Musik und Literatur lösen solche Störungen oft ähnliche, oft aber auch ganz andere, zufällige und kreative Reaktionen aus. Häufig sind Unterbrechungen der Aufführung eines Werks und seiner medialen Wahrnehmung geradezu geplant, gehören konstitutiv zum Konzept des ästhetischen Entwurfs oder bilden einen programmatischen Bestandteil des jeweiligen Projekts.
Beispiele wie das Stück 4′33″ des Komponisten John Cage – in dem das Publikum 4 Minuten 33 Sekunden lang nichts zu hören bekommt und notgedrungen sein eigenes Werk aufzuführen beginnt – Husten, Klatschen, Lärmen, was auch immer - sind inzwischen Legende. Von solchen einzelnen ‚Werken‘ über die Einbeziehung von Störungen und Zufällen in die Aktionen ganzer Gruppen, den Happenings oder Performances von Dada, Surrealismus, Fluxus oder Wiener Gruppe bis zu aktuellen Netzkunstprojekten werden Stillstand und Störung ganz andere, eben ästhetische Funktionen zugeschrieben: die Reizung oder Steigerung der Wahrnehmung der wirklichen oder potentiellen zivilisatorischen ‚Kosten‘ der alltäglichen, ganz normalen sozialen Abläufe.
Ob und welche ästhetischen Funktionen tatsächlich eingetreten sind, sich die programmierten oder ganz andere Effekte eingestellt haben, wird das Seminar an Beispielen vorstellen und analysieren.
Plan:
3. April Idee, Plan, Literatur
17. April Begriffe, Theorien, Geschichte, Beispiele
24. April Don Quijote, Hamlet
8. Mai Tristram Shandy
15. Mai Das Erdbeben in Chili
22. Mai Hör-Spiele, von Marinettis… zu Ammann/Einheits crashing aeroplaines
5. Juni Der Untergang der Titanic
12. Juni Futurismus, Dada, Surrealismus
19. Juni Fluxus, concept art
26. Juni Die Entdeckung der Langsamkeit
3. Juli 9/11
10. Juli Still Standing u.a.
Lars Koch, Christer Petersen, Joseph Vogl (Hg.): Störfälle. Zeitschrift für Kulturwissenschaften, Heft 2/2011
Beck, Ulrich: Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne. Frankfurt/M. (es) 1986
Blumenberg, Hans: Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmetapher. Frankfurt/M. (Bibliothek Suhrkamp) 1979
Enzensberger, Hans Magnus: Der Untergang der Titanic. - Audio Cassette - Cotta’s Hörbühne. Frankfurt/M. (Klett) 1987
Gumbrecht, Hans Ulrich/Pfeiffer, K. Ludwig (Hg.): Paradoxien, Dissonanzen, Zusammenbrüche. Situationen offener Epistemologie. Frankfurt/M. (stw) 1991
Paech, Joachim: -Der Bewegung einer Linie folgen … Schriften zum Film-. Berlin (Vorwerk 8 Verlag) 2002
Reinecke, Siegfried: Mobile Zeiten. Eine Geschichte der Auto-Dichtung. Bochum (Germinal) 1986
Der Spiegel: Tauchfahrt in die Psyche. Das Titanic Gefühl. Vom Katastrophen-Mythos zum größten Erfolg der Filmgeschichte. Nr. 13, 23.3.1998
Zimmer, Dieter (Hg.): Dramatische Augenblicke. Fernsehreporter über ihre aufregendsten Erlebnisse. Stuttgart (DVA) 1993
Zschocke, Nina: Ästhetik der Störung. In: Buschmann, Renate; Marcel Marburger; Friedrich Weltzien (Hrsg.): Dazwischen. Die Vermittlung von Kunst. (Reimer) Berlin 2005.
Germanistik - Neuere deutsche und Allgemeine Literaturwissenschaft II
WichtigeTeilnahmebedingungen :
Das Seminar beginnt in der 1. Semesterwoche am 3.April! Die Anwesenheit ist unbedingt erforderlich, sonst rückt jemand aus der Warteliste nach. Hier werden die wesentlichen inhaltlichen und organisatorischen Informationen ausgetauscht!
Die Veranstaltung setzt die aktive Mitarbeit (Einzelreferat oder Referatsgruppe) voraus. Für bloße Anwesenheit gibt es keine Kreditpunkte! Wer mehr als 3x fehlt, kann keinen Leistungsnachweis erwerben!
Der Leistungsnachweis erfolgt durch aktive Mitarbeit, als Einzelreferat oder in einer Referatsgruppe und/oder durch eine Hausarbeit.
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SoSe 2012
Univ.-Prof. em.
Gendolla Peter em