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Uni-Siegen
14. März 2017

The Good Language Learner oder der Einsatz von Strategien beim Fremdsprachenlernen

Der gute Sprachenlerner ist eine Metapher, die bereits 1975 von Joan Rubin in den wissenschaftlichen Diskurs eingebracht wurde. Es folgten diverse Studien, die das Ziel verfolgten, die Merkmale eines -good language learners- herauszufinden (u.a. Naiman et al. 1978). Was bedeutet...

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Der gute Sprachenlerner ist eine Metapher, die bereits 1975 von Joan Rubin in den wissenschaftlichen Diskurs eingebracht wurde. Es folgten diverse Studien, die das Ziel verfolgten, die Merkmale eines -good language learners- herauszufinden (u.a. Naiman et al. 1978). Was bedeutet es also, ein guter Sprachenlerner zu sein? Und was sind im Umkehrschluss Merkmale eines -bad language learner- (vgl. Kinau & Stefanowitsch 2000)? Es besteht inzwischen Konsens, dass Lernen ein aktiver, individueller und kreativ-kon­struktiver Prozess ist, d.h. Lernen geschieht (nur?) dann, wenn neu eingehende Informationen mit bereits vorhandenen Wissensbeständen interagieren und in diese integriert werden (inferentieller Lernbegriff). Auch die Ergebnisse der neueren Hirnforschung untermauern diese Auffassung: Je mehr Vorwissen vorhanden ist, desto effektiver können Bewusstseins­inhalte im Gedächtnis niedergelegt werden, denn wenn Nervenzellen häufig gleichzeitig erregt werden, bleiben die Verbindungen zwischen ihnen erhalten und verstärken sich. Feuern die Zellen dagegen selten oder nie synchron, werden die Beziehungen gelöst (vgl. Spitzer 2007). Sowohl die Feststellungen aus den 1970er Jahren als auch die Ergebnisse der Hirnforschung haben durchgreifende Konsequenzen für das Lehren und Lernen fremder Sprachen und machen die Notwendigkeit einer veränderten Lehrerrolle deutlich. Dies hat dazu geführt, dass seit vielen Jahren von der Fachdidaktik die Bedeutung von Strategien und Techniken beim Sprachenlernen betont wird. Es besteht nämlich inzwischen Übereinstimmung darüber, dass der bewusste und effektive Einsatz von Lernstrategien den Lernprozess fördert und den Lerner zu Erfolgserlebnissen führt. Lernstrategien werden dabei definiert als- specific actions taken by the learner to make learning easier, faster, more enjoyable, more self-directed, and more transferable to new situations - (Oxford 1990). In diesem Hauptseminar soll die Frage -Wie lerne ich richtig?- thematisiert werden. Es wird anhand der Beschreibung einzelner Lernstrategien und -techniken aufgezeigt, wie im Fremdsprachenunterricht das -Lernen des Lernens- bzw. die Lernkompetenz angeregt werden kann. Dabei soll u.a. auch die Frage erörtert werden, wie die Eigenschaften eines -good language learner- von Seiten der Lehrpersonen gezielt gefördert werden können. Altmayer, Claus (2002): -Lernstrategien und autonomes Lernen-. In: Babylonia 2/2002, 7-13. Becker, Gerold et al. (Hrsg.) (2006): Lernen. Wie sich Kinder und Jugendliche Wissen und Fähigkeiten aneignen. Seelze: Friedrich-Verlag. Bimmel, Peter & Rampillon, Ute (2000): Lernerautonomie und Lernstrategien. Berlin u.a.: Langenscheidt. Blakemore, Sarah-Jayne & Frith, Uta (2006): Wie wir lernen. Was die Hirnforschung darüber weiß. München: DVA. Gruber, Hans; Mandl, Heinz & Renkl, Alexander (2000): -Was lernen wir in Schule und Hochschule: Träges Wissen?-. In: Mandl, Heinz & Gerstenmaier, Jochen (Hrsg.): Die Kluft zwischen Wissen und Handeln. Göttingen u.a.: Hogrefe, 139-156. Häuptle-Barceló, Marianne (1995): -Der Beitrag von Lernstrategien und Lerntechniken zu einem erfolgreichen Fremdsprachenerwerb-. In: Hispanorama 69, 118-120 und Hispanorama 70, 112-115. Helbig, Beate (1998): -Lern- und Arbeitstechniken im bilingualen Sachfachunterricht aufgezeigt am Beispiel von Texterschließungsstrategien-. In: Der fremdsprachliche Unterricht Französisch 32 (34), 44-48. Kinau, Martina & Stefanowitsch, Anatol (2000): -What the ‚Bad Language Learner’ Can Teach Us-. In: Riemer, Claudia (Hrsg.): Kognitive Aspekte des Lehrens und Lernens von Fremd­spra­chen. Festschrift für Willis J. Edmondson zum 60. Geburtstag. Tübingen: Narr, 247-261. Krapp, Andreas (1993): -Lernstrategien: Konzepte, Methoden und Befunde-. In: Unterrichtswissenschaft 21 (4), 291-311. Mißler, Bettina (1999): Fremdsprachenlernerfahrungen und Lernstrategien. Eine empirische Untersuchung. Tübingen: Stauffenburg. Naiman, Neil; Fröhlich, Maria; Stern, Hans Heinrich & Todesco, Angela (1978): The Good Language Learner. Toronto: The Ontario Institute for Studies in Education. Neuner, Stefanie (2002): -Lernen als Verarbeitung von Informationen-. In: Babylonia 4/2002, 35-39. Neuner, Stefanie (2004): -Lernstrategien im fremdsprachlichen Lernprozess – Eine empirische Studie und deren lerntheoretischer Zusammenhang-. In: Hufeisen, Britta & Marx, Nicole (Hrsg.): Beim Schwedischlernen sind Englisch und Deutsch ganz hilfsvoll. Untersuchungen zum multiplen Sprachenlernen. Frankfurt am Main u.a.: Lang, 99-116. Nold, Günter; Haudeck, Helga & Schnaitmann, Gerhard W. (1997): -Die Rolle von Lernstrategien im Fremdsprachenunterricht-. In: Zeitschrift für Fremdsprachenforschung 8 (1), 27-50. Oxford, Rebecca L. (1990): Language Learning Strategies. What Every Teacher Should Know . Boston: Heinle & Heinle. Raabe, Horst (1998): -Lernstrategien (nicht nur) im Französischunterricht-. In: Der fremdsprachliche Unterricht Französisch 32 (34), 4-10. Rampillon, Ute (1985): Lerntechniken im Fremdsprachenunterricht – Handbuch. Ismaning: Hueber. Rampillon, Ute (1994): -Von Lehrstrategien und Lernstrategien. Vorschläge für ein mehr lernergesteuertes Fremdsprachenlernen-. In: Zielsprache Deutsch 25 (2), 75-91. Rampillon, Ute (2003): -Lernstrategisches Minimalprofil an der Schwelle von L2 zu L3-. In: Hufeisen, Britta & Neuner, Gerhard (Hrsg.): Mehrsprachigkeitskonzept – Tertiärsprachen – Deutsch nach Englisch. Straßburg: Europarat, 85-103. Rubin, Joan (1975): -What The ‘Good Language Learner’ Can Teach Us-. In: TESOL Quarterly 9 (1), 41-51. Spitzer, Manfred (2007): Lernen. Gehirnforschung und die Schule des Lebens. München: Elsevier, Spektrum Akademischer Verlag. Vann, Roberta J. & Abraham, Roberta G. (1990): -Strategies of Unsuccessful Language Learners-. In: TESOL Quarterly 24 (2), 177-198. Wolff, Dieter (1997): -Strategien des Textverstehens: Was wissen Fremdsprachenlerner über den eigenen Verstehensprozess? . In: Rampillon, Ute & Zimmermann, Günther (Hrsg.): Strategien und Techniken beim Erwerb fremder Sprachen. Ismaning: Hueber, 270-289. Romanistik - Didaktik Universität Siegen SoSe 2010 Dr. Bär Marcus