Uni-München
14. März 2017Übung Zur Rolle des Subjekts in modernen Gesellschaften
Die Befreiung von persönlichen Abhängigkeitsverhältnissen wie der Leibeigenschaft markierte den Übergang zur europäischen Moderne. Die Idee eines autonomen Subjekts - erstmals formuliert in den Schriften der Aufklärung - wurde im Zuge der bürgerlichen Revolutionen sogar konstitutionell verankert: 1789 proklamierte die...
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Jetzt Lernplan erstellenDie Befreiung von persönlichen Abhängigkeitsverhältnissen wie der Leibeigenschaft markierte den Übergang zur europäischen Moderne. Die Idee eines autonomen Subjekts - erstmals formuliert in den Schriften der Aufklärung - wurde im Zuge der bürgerlichen Revolutionen sogar konstitutionell verankert: 1789 proklamierte die französische Nationalversammlung die Freiheit eines jeden Bürgers, -alles tun zu können, was einem anderen nicht schadet-. Rund ein Jahrhundert später fiel die Geburt von Soziologie, Psychologie und anderen Sozialwissenschaften unmittelbar zusammen mit Wirtschafts- und Gesellschaftskrisen, welche die Subjekte gewaltsam in die Schranken ihrer Autonomie verwiesen.
Eine zentrale Aufgabe der soziologischen Disziplin ist es seitdem, die Bedingungen und Grenzen individuellen Handelns zu sondieren. An ungleich verteilten Bildungschancen und den Zumutungen sozialpolitischer Aktivierung offenbart sich bis heute das Spannungsfeld zwischen Anspruch und Wirklichkeit der aufklärerischen Losung -alles tun zu können-. Und noch ein weiteres Mysterium beschäftigt die Sozialwissenschaften: die Beobachtung, dass individuelles Handeln selbst dann verheerende kollektive Auswirkungen haben kann, wenn die sozialen Akteure gar niemandem offensichtlich schaden wollen. Subjekte stellen also – bewusst oder unbewusst – Gesellschaft selbst her, doch zugleich werden sie von ihr geformt, strukturiert, eingeschränkt und beschädigt. Wer oder was produziert nun also wen oder was und vor allem, wie?
In der Übung werden Schlüsseltheoreme aus Soziologie, Psychoanalyse und Sozialpsychologie erschlossen und die subjekttheoretischen Ansätze von u.a. Marx, Freud, Adorno, Marcuse, Foucault und Ehrenberg rekonstruiert. Die jeweiligen Theorien werden einerseits in ihren historischen Kontext, andererseits in ihren wissenschaftlichen Zusammenhang eingeordnet. Auch feministische Theoretiker_innen sollen zu Wort kommen, denn jene haben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Geschichte des modernen Subjekts noch einmal systematisch umgeschrieben.
• Busch, Hans-Joachim (Hg.). (2007). Spuren des Subjekts : Positionen psychoanalytischer Sozialpsychologie. Schriften des Sigmund-Freud-Instituts : Reihe 3, Psychoanalytische Sozialpsychologie, Bd. 1. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht
• Demirovic, Alex; Kaindl, Christina; Krovoza, Alfred (Hg.). (2010). Das Subjekt - zwischen Krise und Emanzipation. Münster: Westfälisches Dampfboot
• Keupp, Heiner (Hg.). (1994). Zugänge zum Subjekt : Perspektiven einer reflexiven Sozialpsychologie. Frankfurt am Main: Suhrkamp
• Krasmann, Susanne; Volkmer, Michael (Hg.). (2007). Michel Foucaults -Geschichte der Gouvernementalität- in den Sozialwissenschaften : internationale Beiträge. Bielefeld: transcript
Bemerkung
Anwesenheitspflicht in der 1. Veranstaltungsstunde! Sollten Sie aus triftigen Gründen nicht teilnehmen können, so informieren Sie den/die Dozenten/Dozentin rechtzeitig. Unentschuldigtes Fehlen in der 1. Veranstaltungsstunde bedeutet automatisch den Verlust des Kursplatzes.
Voraussetzungen
Bachelorstudierende im Haupt- und Nebenfach: aktive und regelmäßige Teilnahme sowie kontinuierliche Vorbereitung der Literatur.
Lehramtsstudierende modularisiert: aktive und regelmäßige Teilnahme sowie kontinuierliche Vorbereitung der Literatur.
Leistungsnachweis
• Übungsaufgaben
• Referat
• 6 ECTS
Anmeldung
Die Anmeldung für diese Veranstaltung ist ausschließlich über LSF möglich!
Belegungsfrist für diese Veranstaltung findet für alle Studierenden (auch Lehramt modularisiert) vom 10. bis zum 17. März statt.
Bitte beachten Sie unbedingt die Hinweise zur Belegung, die Sie rechtzeitig auf der Website des Instituts für Soziologie unter dem folgenden Link finden:
http://www.soziologie.uni-muenchen.de/studium/lehre/kursanmeldungen/index.html
Department Institut für Soziologie
Bachelorstudierende im Haupt- und Nebenfach: aktive und regelmäßige Teilnahme sowie kontinuierliche Vorbereitung der Literatur.
Lehramtsstudierende modularisiert: aktive und regelmäßige Teilnahme sowie kontinuierliche Vorbereitung der Literatur.
• Übungsaufgaben
• Referat
• 6 ECTS
Anmeldung
Die Anmeldung für diese Veranstaltung ist ausschließlich über LSF möglich!
Belegungsfrist für diese Veranstaltung findet für alle Studierenden (auch Lehramt modularisiert) vom 10. bis zum 17. März statt.
Bitte beachten Sie unbedingt die Hinweise zur Belegung, die Sie rechtzeitig auf der Website des Instituts für Soziologie unter dem folgenden Link finden:
http://www.soziologie.uni-muenchen.de/studium/lehre/kursanmeldungen/index.html
LMU München
SoSe 2015
Gränitz Saskia