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Uni-Kassel
14. März 2017

Vertiefungsseminar Adam und Eva Die Geschichte der Protoplasten in der mittelalterlichen Bibeldichtung

Für das christlich geprägte Abendland geht die eigene Gegenwart auf den Schöpfungsakt Gottes zurück, an dessen Ende die Erschaffung der ersten Menschen, der Protoplasten, steht. Aus dieser Perspektive müssen alle Menschen als Kinder der Ureltern Adam und Eva angesehen werden,...

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Für das christlich geprägte Abendland geht die eigene Gegenwart auf den Schöpfungsakt Gottes zurück, an dessen Ende die Erschaffung der ersten Menschen, der Protoplasten, steht. Aus dieser Perspektive müssen alle Menschen als Kinder der Ureltern Adam und Eva angesehen werden, deren Geschichte dementsprechend Aufschluss über die Bedingungen menschlichen Lebens im Allgemeinen, wie des eigenen Lebens im Besonderen gibt. So schließt man aus den Umständen der Schöpfung auf das Verhältnis der Geschlechter zueinander, während der Sündenfall und die Vertreibung aus dem Paradies das Verhältnis zu Gott und zur irdischen Welt prägen. Nicht zuletzt ist nach christlichem Verständnis in all dem bereits die unbefleckte Empfängnis der -neuen Eva- Maria und die Sündenerlösung durch Geburt und Sterben des -neuen Adam- Jesus angelegt. Es ist also nicht verwunderlich, dass die Protoplasten nicht nur in der theologischen Literatur und der Predigt eine große Rolle spielen, sondern auch die volkssprachige Bibeldichtung sich der Ureltern angenommen hat. Für unser Seminar steht dabei ein kleiner Text aus dem 13. Jahrhundert im Mittelpunkt, nämlich Lutwins -Eva und Adam-, dessen ungewöhnliche Reihung in der Titelgebung (sonst immer: Adam und Eva) vom Autor offensichtlich bewusst vorgenommen wurde. Um die kultur-, geistes- und frömmigkeitsgeschichtlichen Rahmenbedingungen rekonstruieren zu können, werden wir uns zunächst mit dem biblischen Text selber auseinandersetzen, dann die Geschichte volkssprachiger Bibeldichtung seit dem Frühmittelalter nachzeichnen, um uns schließlich einer eingehenden Analyse von Lutwins Text zu widmen. Lutwins -Eva und Adam- liegt ausschiließlich in einer Edition des mittelhochdeutschen Textes vor, eine Übersetzung ins Neuhochdeutsche gibt es nicht. Allerdings handelt es sich um ein einfach zu verstehendes Mittelhochdeutsch, das sprachlich und stilistisch an der höfischen Literatur orientiert ist und für Studierende, die das Modul 5 erfolgreich absolviert haben, keine Schwierigkeit darstellen sollte. Eine gewisse Einlesephase ist natürlich notwendig. Das Seminar steht im Zusammenhang mit einer entstehenden kommentierten Edition und Übersetzung von Lutwins Text, so dass wichtige Passagen immer wieder als Übersetzung angeboten (und kritisch diskutiert!) werden sollen. Die Textausgabe ist vergriffen und wird in digitaler Form als PDF-Datei über Moodle zur Verfügung gestellt. Textausgabe : • Halford, Mary-Beth: Lutwin's Eva und Adam. Study – Text – Translation. Göppinen 1984 (GAG 401). [Die Ausgabe ist vergriffen, weswegen sie als PDF-Datei über Moodle bereitgestellt wird.] Sekundärliteratur : Es gibt so gut wie keine Literatur zu Lutwins Text, schon gar keine aktuellere, bzw. nur die Untersuchung von Halford. Als erste Einfühurng dienen: • Huber, Christoph: Liutwin, in: Killy Literaturlexikon, Bd. 7, S. 410f. • Kartschoke, Dieter: Lutwin, in: LexMa, Bd. 6 (1993), Sp. 28. Eine umfänglichere aktuelle Einführung in den Text und seine Interpretation ist zukünftig: • Mecklenburg, Michael: Der Sündenfall als Glücksfall: Lutwins -Eva und Adam-. In: Vergessene Texte des Mittelalters. Hg. v. Nathanael Busch und Björn Reich. Stuttgart [Band erscheint voraussichtlich Ende 2013; Text wird als Druckfahne über Moodle bereitgestellt]. Das nahezu völlige Fehlen neuerer Forschung mag für Studierende zunächst irritierend sein, weil die Sicherheit der Orientierung fehlt. Anderseits ist es eigentlich von großem Vorteil, weil es das eigene wisenschaftliche Arbeit einfordert und man/frau nicht immer nur auf ausgetretenen Pfaden wandeln muss. Da ich eine neue kommentierte Ausgabe mit Übersetzung vorbereite, können Sie sich aber auf eine entsprechend intensive Begleitung verlassen Bemerkung LitWiss Voraussetzungen Um an dem Seminar teilnehmen zu können, müssen Sie das Modul 5 erfolgreich abgeschlossen haben und bereit sein, sich in einen unübersetzten mittelhochdeutschen Text einzulesen. Weitergehende Erfahrung im Umgang mit mittelhochdeutscher Literatur ist von Vorteil, aber keine Bedingung. Leistungsnachweis Es wird erwartet, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich aktiv in die Seminararbeit einbringen; die Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe und die gemeinsame Präsentation ihrer Ergebnisse im Seminar führen zum Erwerb einer Studienleisutng. Zum Erwerb einer Prüfungsleistung ist darüber hinaus entweder die Anfertigung einer Hausarbeit oder die Teilnahme an einem Kolloquium nötig. FB 02 Institut für Germanistik Um an dem Seminar teilnehmen zu können, müssen Sie das Modul 5 erfolgreich abgeschlossen haben und bereit sein, sich in einen unübersetzten mittelhochdeutschen Text einzulesen. Weitergehende Erfahrung im Umgang mit mittelhochdeutscher Literatur ist von Vorteil, aber keine Bedingung. Es wird erwartet, dass alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer sich aktiv in die Seminararbeit einbringen; die Mitarbeit in einer Arbeitsgruppe und die gemeinsame Präsentation ihrer Ergebnisse im Seminar führen zum Erwerb einer Studienleisutng. Zum Erwerb einer Prüfungsleistung ist darüber hinaus entweder die Anfertigung einer Hausarbeit oder die Teilnahme an einem Kolloquium nötig. Uni Kassel WiSe 2013/14 Germanistik binational Prof. Dr. Mecklenburg Michael