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Uni-München
14. März 2017

Vorlesung Epochen der französischen Lyrik von Ronsard zu Réda

Unter einer -Epoché- verstehen die Phänomenologen einen Haltepunkt der Reflexion, auf den man sich zurückzieht, um sich von einem eigenen Urteil zu enthalten; gemeint sein kann mit einer -Epoché- aber auch eine Konstellation von Gestirnen. In unserer Vorlesung werden wir...

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Unter einer -Epoché- verstehen die Phänomenologen einen Haltepunkt der Reflexion, auf den man sich zurückzieht, um sich von einem eigenen Urteil zu enthalten; gemeint sein kann mit einer -Epoché- aber auch eine Konstellation von Gestirnen. In unserer Vorlesung werden wir demnach literarische 'Haltepunkte' aufsuchen und nach den je spezifischen 'Konstellationen' von Kommunikation, Selbstverständigung und Verständigung mit dem Anderen fragen, wie sie zu verschiedenen Zeiten in der französischen Lyrik modelliert worden sind: Unter dem Einfluss des italienischen Petrarchismus steht in der Renaissance die lyrische Rede an ein unerreichbares weibliches Gegenüber im Zentrum – und dies im Kontext der ständisch geordneten Gesellschaft, so dass die Angesprochene höfische Dame (hohe Minne) oder Schäferin (niedere Minne) sein kann (Du Bellay und Ronsard). Im Barock sucht der Dichter dagegen die Einsamkeit außerhalb der Gesellschaft (Théophile de Viau und Saint-Amant). In der Romantik wird es um das Verhältnis eines melancholischen Selbst zur Landschaft und zu einer je schon verlorenen Geliebten gehen (Lamartine). In der nachromantischen Moderne stilisiert sich der Dichter als perverser Flaneur, der die Großstadt Paris auf der Suche nach ästhetischen Abenteuern durchstreift. Die Symbolisten feiern ein dem Rausch verfallenes Ich (Verlaine und Rimbaud). Gegen Maßlosigkeit und Unendlichkeitsbegehren setzt Valéry die Einwilligung des Selbst in seine eigene Endlichkeit. René Char (1907 – 1988) macht sich zum Anwalt einer bedrohten und geschädigten Natur. Jacques Réda (*1929) skizziert Heterotopien und -terrains vagues- am Rande beziehungsweise außerhalb der zeitgenössischen Konsum- und Verwertungsgesellschaft. Zusammengefasst: Die Vorlesung wird an Hand konkreter Einzelanalysen und vermittels der Einbindung der Autoren in übergreifende Fragestellungen den faszinierenden Parcours nachzeichnen, den die französische Dichtung von der Renaissance bis zur Schwelle des neuen Jahrtausends zurückgelegt hat und auf dem sie vor allem in der Moderne immer wieder das maßgebliches Vorbild für andere europäische Literaturen gewesen ist. Department II - Griechische und Lateinische, Romanische, Italienische und Slavische Philologie, Sprachen und Kommunikation Studierende des BA Nfs ‚Sprache, Literatur, Kultur’: Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Kernveranstaltung zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.13/15/17/19). ODER Diese Veranstaltung entspricht in WP 5 dem Kurstyp -Kernveranstaltung zu Themen der Älteren Sprachen und Kulturen m/n/o/p- (WP 5.0.13/15/17/19). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Portfolio (20.000-40.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. LMU München WiSe 1415 Prof.Dr. Teuber Bernhard