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Uni-Kassel
14. März 2017

Vorlesung Exposition Geschichte Konzepte und Kontexte der Kunstpräsentation

Die Kunstausstellung erfährt in der Moderne eine erhöhte und beinahe zyklisch wiederkehrende Aufmerksamkeit. Folgt man den Argumenten, die direkt in öffentlich geführten Debatten ausgetauscht oder indirekt in Künstlerschriften ihren Widerhall finden, so wird die kritikwürdige Kunstausstellung zum Ausgangspunkt und Indiz...

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Die Kunstausstellung erfährt in der Moderne eine erhöhte und beinahe zyklisch wiederkehrende Aufmerksamkeit. Folgt man den Argumenten, die direkt in öffentlich geführten Debatten ausgetauscht oder indirekt in Künstlerschriften ihren Widerhall finden, so wird die kritikwürdige Kunstausstellung zum Ausgangspunkt und Indiz für einen zum Teil als Niedergang beschriebenen gegenwärtigen Kunstbetrieb insgesamt. Künstlerprogramme, Kritik an einer Ausstellungsinflation, mangelnde Innovationsbereitschaft der Künstler und defizitäre Selbstwahrnehmungen sind die gängigen Diskussionsfelder seit dem beginnenden 19. Jahrhundert. Eingebettet in eine sich formierende urbane Kunstöffentlichkeit heutigen Zuschnitts erwachsen die zum Teil vehement geführten Ausstellungsdebatten zu Austragungsfeldern einer allgemeinen Opposition gegen das vorherrschende politische System und deren Protagonisten. Nicht selten mischen sich hier weitere Einflussfaktoren wie die Akademiekritik, das Künstlerselbstverständnis, der Kunstjournalismus oder der forcierte Kunsthandel ein. Der Kunstbetrieb im Paris des 19. Jahrhunderts, der Ausstellungsboom um 1900 in Deutschland, die Institutionenkritik der Klassischen Avantgarde, nicht zuletzt die Politisierung des Kunstgeschehens in den 1960er und 1970er Jahren und schließlich die Museumsdebatte und der Expertenskeptizismus in der Postmoderne sind einige zentrale Beispiele für die stete Wiederkehr der Kunstausstellung als Diskursfeld der Moderne. Erst in jüngerer Zeit wird diese Thematik in diskursorientieren Forschungen eingebunden, die die Kunstausstellung als Teil einer Wissenskultur versteht und damit der Komplexität dieses Themas gerecht werden will. Die Geschichte der Kunstausstellung und die Analyse gegenwärtiger Präsentationsformen sind hierbei keineswegs sich ausschließende Sinnfelder. In der Vorlesung werden die verschiedenen historischen Entwicklungslinien rekonstruiert wie die gegenwärtigen Sinnfelder ausgelotet. Kunsthochschule Kassel Uni Kassel SS 2009 Lehrveranstaltungspool FB 20 Prof. Dr. Hemken Kai Uwe