Uni-München
14. März 2017Vorlesung Schraube Zahnrad Bohrmaschine Antike Technik in archäologischen Zeugnissen der römischen Kaiserzeit
Seit Daedalus von der Kunst des Fliegens träumte, hat sich die antike Welt intensiv mit Erfindungen und technischen Innovationen befasst. Besonders der Erfindergeist alexandrinischer Gelehrter nahm Anregungen aus dem Orient und dem fernen Osten auf; im Zeitalter des Hellenismus wurden...
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Jetzt Lernplan erstellenSeit Daedalus von der Kunst des Fliegens träumte, hat sich die antike Welt intensiv mit Erfindungen und technischen Innovationen befasst. Besonders der Erfindergeist alexandrinischer Gelehrter nahm Anregungen aus dem Orient und dem fernen Osten auf; im Zeitalter des Hellenismus wurden zahlreiche Maschinen konstruiert, aber erst in der römischen Kaiserzeit in vollem Umfang angewandt und in der Praxis weiterentwickelt. Allerdings vermisst man auch einfache Konstruktionen, die den Alltag hätten erleichtern können wie den Schlitten, den Schubkarren oder die Schere.
Alle Lebensbereiche profitierten von den grundlegenden Technikelementen Rolle und Welle, Keil und Hebel. Weiterentwicklungen der Mechanik wie Zahnstange und Zahnrad führten zu komplizierten Instrumenten vor allem auf dem Sektor der Meßtechnik (Uhren, Kalender). Die Schraube war bekannt, aber nur selten genutzt, weil es keine Möglichkeiten gab, Innengewinde (Muttern) in technisch einfachen Verfahren herzustellen. War der Energieeinsatz zunächst noch in starkem Maß von der Muskelkraft und dem Feuer abhängig, setzte sich bald die Wasserkraft in vielen Bereichen des Alltags durch. Nicht nur dass Felder bewässert oder trockengelegt werden konnten; ganze Bergwerke wurden mit Hilfe von Schaufelrädern und Kolbenpumpen entwässert. Eine der wichtigsten Einsatzgebiete aber war die Nutzung der Wasserkraft für Getreidemühlen, die die Erfindung eines Winkelgetriebes voraussetzte. Das Kurbelprinzip (Exzenter) ermöglichte schließlich mechanische Steinsägen. Im Handwerk und Transportgewerbe spielten Hebetechniken (Kran und Flaschenzug) und Fahrzeuge (lenkbare oder stoßgedämpfte Wägen) eine besondere Rolle. Die Landwirtschaft profitierte von Mechanik des Hebels für Öl- und Weinpressen. Wider Erwarten spielt die Militärtechnik keineswegs eine Rolle als Motor des technischen Fortschritts, wenngleich Pfeilwurfmaschinen und Katapulte interessante Anwendungsmöglichkeiten von Hebel und Torsion dokumentieren.
Viele Erfindungen gingen im germanischen Mittelalter verloren, andere wurden fortgeführt und erfolgreich weiterentwickelt, wenn man an die Erfindung der Nockenwelle denkt, die der wassergetriebenen Getreidemühle mit Winkelgetriebe neue Anwendungsbereiche ermöglichte wie die mechanische Säge-, Hammer- und Stampfmühlen.
Department für Kulturwissenschaften und Altertumskunde
BA HF Archäologie:
Der Leistungsnachweis erfolgt über das dazugehörige Seminar!.
BA NF Antike und Orient
1) Vorlesung (ohne Seminar): Prüfung (3 ECTS) erfolgt in der VL!!
2) Blockveranstaltung: VL+Seminar:
Referat (6 ECTS) im Seminar (keine separate Prüfung in der VL!!!)
LMU München
WiSe 1617
Prof. Dr.
Czysz Wolfgang