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Uni-Kassel
14. März 2017

Vorlesung Seminar Verkehrstheorie und Praxis

Spaziergänge durch Stadt und Verkehr (Holzapfel) -Bis jetzt sind Sie offenbar nicht so blöd, wie Sie das Fernsehen noch machen wird-, pflegte der Fernsehmoderator Kulenkampff etwas arrogant seinem Publikum zu sagen, wenn es auch auf noch etwas kompliziertere Witze reagierte....

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Spaziergänge durch Stadt und Verkehr (Holzapfel) -Bis jetzt sind Sie offenbar nicht so blöd, wie Sie das Fernsehen noch machen wird-, pflegte der Fernsehmoderator Kulenkampff etwas arrogant seinem Publikum zu sagen, wenn es auch auf noch etwas kompliziertere Witze reagierte. Wie sehen wir (mit wir sind die Köpfe aller Seminarteilnehmer gemeint) die Außenwelt oder haben wir nicht nur das Denken, sondern auch schon das genaue Hinsehen und Analysieren der Stadt verlernt? Klar ist, dass so etwas wie -Scheuklappen- existiert, also jeweils durch Erziehung, Vorurteile und Erfahrungen geprägte Blickwinkel, die auf bestimmte Sichtweisen beschränkt sind und andere dabei vernachlässigen. Durch solche beschränkten Sichtweisen wird fraglos auch Planung bestimmt, schlimm ist es jedoch, wenn der Blick auf die Wirklichkeit einigermaßen systematisch beschränkt sein sollte. Im Sommersemester sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars versuchen, die Stadt und die Straßen, insbesondere die Innenstadt von Kassel, in Spaziergängen, die immer wieder von Phasen des Überlegens unterbrochen werden, ihre Sichtweisen und deren Beschränkungen kennenzulernen. Dabei ist natürlich Ziel, den Blick zu erweitern für bisher in der Planung, insbesondere der Verkehrs- und Stadtplanung, vernachlässigte Tatbestände. Planung im Nahverkehr (Meyfahrt) Im Wechsel zwischen Beobachtungen und Bestandaufnahmen vor Ort und Erarbeitung von Planungsvorschläge sollen Planungsprobleme des öffentlichen Verkehrs im Stadtraum diskutiert werden. Dabei sollen Restriktionen aus Förderungs- und sonstigen Vorschriften, Akzeptanzprobleme von Anliegern und Politikern sowie Fragen des Städtebaus und der Stadtgestaltung diskutiert werden. Die Bedeutung technischer Mindestanforderungen (BOStrab, RAST) soll geprüft werden. Als Planungsbeispiele können dienen • - Umbau der Friedrich-Ebert-Straße in Kassel im Rahmen des Programms -Aktive Kernbereiche- • - Neubau der Tram nach Vellmar: P+R Plätze - Nachfrageerhebung und Gestaltungsprobleme • - Neubau von Haltepunkten an EBO-Strecken: Ausstattungsregeln der DB Station- und Service gegen Kundeninteressen (Beispiele Kassel-Jungfernkopf, Stadtbahnhof Eschwege) • - ÖPNV und Verkehrsberuhigung - lösbarer Widerspruch? Beispiele Tram Ihringshausen und Erschließung Campus Nord Weitere Beispiele aus Projekten können einbezogen werden Städtebaulich, ökologisch und ökonomisch integrierter Verkehr (von Winning) Das Verkehrswesen ist weitgehend gesteuert durch Wünsche und Ängste von Nutzern und Betroffenen oder durch private Teilinteressen. Damit entfernt es sich immer mehr von allen rationalen Kriterien. Eine Verkehrsreform unter Berücksichtigung von Stadt-, Landschafts- und Siedlungsentwicklung ist für alle Transportmittel überfällig: Schiene, Straße, Wasser und Luft, ebenso wie Strom und Telekommunikation. Unterwirft man die Techniken der Entfernungsüberbrückung den breit anerkannten Regeln einer sozialen und ökologischen Marktwirtschaft, eröffnen sich erstaunliche Perspektiven: nicht nur für Funktionalität und Effizienz der Mobilität und der Verkehrsmittel selbst, sondern auch für die Nachfrage nach Standorten und Siedlungsstrukturen. Dabei müssen viele liebgewordene Klischees der herkömmlichen, aber auch der alternativen Verkehrsplanung radikal auf den Prüfstand. Das Seminar vermittelt Denkansätze für Analysen, theoretische Grundlagen, Zukunftskonzepte, Leitbilder, Entwurfsbeispiele, und technisch-politische Implikationen. FB 06 Architektur, Stadtplanung, Landschaftsplanung Uni Kassel SS 2009 Stadt- und Regionalplanung Architektur Univ.-Prof. Dr.-Ing. Holzapfel Helmut Ing