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Uni-München
14. März 2017

Vorlesung Stoffbegriffe

Eine der beliebtesten komparatistischen Analysekategorien ist die des Stoffes, erlaubt sie doch die Vergleichbarkeit von Texten der Weltliteratur nach Motiven und thematischen Substraten. So werden zeitlich oder kulturell weit auseinanderliegende Werke um Stoffkreise gruppierbar, formal Disparates kann in einen gemeinsamen...

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Eine der beliebtesten komparatistischen Analysekategorien ist die des Stoffes, erlaubt sie doch die Vergleichbarkeit von Texten der Weltliteratur nach Motiven und thematischen Substraten. So werden zeitlich oder kulturell weit auseinanderliegende Werke um Stoffkreise gruppierbar, formal Disparates kann in einen gemeinsamen Verstehenshorizont hineingestellt werden. Zugleich ist der Stoffbegriff keineswegs unhinterfragt geblieben. Immer wieder wird der Stoffforschung vorgeworfen, sie befasse sich - anders als die sog. Formforschung - mit -Thematologie-, sie berühre das Wesen des Literarischen nur peripher, da der Stoff als literarischer Gegenstandsbereich letztlich außerhalb der Poetik liege. Die Position der Stoffgeschichte markiert damit eine doppelte Schwelle: Sie führt aus vergleichender Perspektive in ein Universum dichter intertextueller Vernetzung hinein, sie weist aber auch für eine theoretisch orientierte Literaturwissenschaft hinaus aus der Literatur. Ausgehend von dieser Doppelperspektive unternimmt die Vorlesung eine kritische Relektüre der Stoffgeschichte und sucht nach ihren Anschlüssen für eine Allgemeine Literaturtheorie. Sie verfolgt dabei zunächst die Anfänge des poetischen Stoffbegriffs, befasst sich mit den Konsequenzen der Stoff-Form-Debatte, fragt nach der Resonanz des stoffgeschichtlichen Paradigmas für Weltliteraturmodelle, aber auch nach Reflexen physikalischer Stoffbegriffe (und ihrer Erosion) in der Literatur und wird sich dann in ihrem Hauptteil darauf konzentrieren, alternative Konzepte zur Stoffgeschichte zu diskutieren. Im Mittelpunkt stehen dabei Begriffe wie Rohstoff, Ressource, Element, Materie oder Textur. Sie zielen nicht auf die stoffgeschichtliche Identifikation von stabilen semantischen Konstellationen, die sich literaturgeschichtlich jeweils neu aktualisieren lassen, sondern auf die Frage nach den metapoetischen Reflexionen der Medialität von Literatur. ECTS: BA HF: 3 ECTS, unbenotet MA HF: 3 ECTS, unbenotet SLK: 3 ECTS, benotet MA Profilbreich: 3 ECTS, unbenotet MA NF: Teilnahme im Rahmen des Moduls P1 (3 ECTS) Department I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache B.A.-Nebenfach SLK: Diese Veranstaltung entspricht in WP 2 dem Kurstyp -Kernveranstaltung zu Themen der Literaturwissenschaft m/n/o/p- (WP 2.0.13/15/17/19). Sie erhalten 3 ECTS, wenn Sie entweder eine Klausur (30-60 Min.) schreiben oder eine mündliche Prüfung (15-30 Min.) ablegen oder ein Portfolio (20.000-40.000 Zeichen) fertigen. Die Prüfung muss benotet sein. Die Wahl der Prüfungsart liegt beim Dozenten. LMU München SoSe 2016 Univ.Prof.Dr. Strätling Susanne