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Uni-Essen
14. März 2017

Vorlesung VL Die Vernunftidee der

-Wer bei Pflanzung oder Erneuerung wissenschaftlicher Anstalten mitzuwirken hat, kann sich doch nicht genug vorsehn, ob er auch den Gegenstand, über den er zu ratschlagen hat, und seine einzelnen Teile in ihrer wahren Beziehung aufgefaßt habe.- Diese Präliminarbemerkung Friedrich Schleiermachers...

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-Wer bei Pflanzung oder Erneuerung wissenschaftlicher Anstalten mitzuwirken hat, kann sich doch nicht genug vorsehn, ob er auch den Gegenstand, über den er zu ratschlagen hat, und seine einzelnen Teile in ihrer wahren Beziehung aufgefaßt habe.- Diese Präliminarbemerkung Friedrich Schleiermachers ist mehr als 200 Jahre alt, aber sie ist beängstigend zeitgemäß, denn unsere gegenwärtige Hochschulpolitik operiert auffällig häufig in Unkenntnis der Identitätsbedingungen universitären Daseins. Damit ist das Erfordernis für eine akademische Veranstaltung dieser Form bereits angezeigt. Das Ziel der Vorlesung besteht in einer kritischen Vergegenwärtigung jener identitätsstiftenden Vernunftgründe, die sich relativ zum historischen Aufkommen des europäischen Universitätswesens und dessen Entwicklung normativ rekonstruieren lassen. Hierbei im Mittelpunkt steht die Vernunftidee der Universität im Zeitalter der Aufklärung und der idealistischen Bildungsphilosophie. Die Vorlesung ist in vier, aufeinander aufbauende Schwerpunkte eingeteilt. Der erste Teil hat die Funktion eines historischen Abrisses zu erfüllen, der damit vor allem eine geschichtliche Einbettung des hier verfolgten philosophischen Erkenntnisanliegens besorgt. Der zweite Teil widmet sich dezidiert erster Transformationserfolge der Universität im Jahrhundert der Aufklärung, denn die Universität wurde im 18. Jahrhundert nicht nur zu einer führenden Wirkungsstätte prominenter Aufklärer, sondern sie wurde vor allem ein prominenter Gegenstand der Aufklärung. In diesem Teil der Vorlesung werden wir bereits eine normative Genese aufbereiten, die am Beispiel der Gründung der Universitäten Halle und Göttingen die Manifestation einer aufgeklärten und autonom agierenden Vernunft zu dokumentieren erlaubt. Diese Aufklärung der Universität kulminiert schließlich in Immanuel Kants Streit der Facultäten (1798) - einem Werk, das gleichermaßen zukunftsweisend wie unzeitgemäß war. Der dritte Schwerpunkt widmet sich schließlich in kritischer Absicht den philosophisch begründeten Universitätskonzeptionen von Johann Gottlieb Fichte, Johann Benjamin Erhard, Friedrich Schleiermacher und Wilhelm von Humboldt. Dies erfolgt zum Zweck der Rekonstruktion der bei ihnen vorfindlichen Argumente, die gehaltvoll Auskunft über die Verfasstheit einer idealen Universität geben. Ausgehend von der damit erreichten Reflexionsebene werden wir im abschließenden vierten Teil der Vorlesung exemplifizieren, wie ausgehend vom transzendental notwendigen Begriff der Erkenntnis ein - in weiten Teilen rein apriorischer - Weg beschritten werden, der in die konstitutiven und damit identitätsstiftenden Merkmale des Universitätsbegriffs mündet. Dieser letzte Teil leistet damit eine normative Explikation von Merkmalen des Begriffs der Universität. Die Vorlesung richtet sich an Hörer aller Fakultäten. Ein Scheinerwerb ist nicht möglich. Philosophie Universität Duisburg-Essen WS 2011/12 Priv.-Doz. Dr. phil. Wille Matthias Priv Doz