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Uni-Siegen
14. März 2017

Wahrnehmung beschreiben

Wahrnehmung beschreiben -What is it like to be a bat?- überschrieb der US-Philosoph Thomas Nagel einen 1974 erschienenen Essay, in dem er nachweisen wollte, dass in der Philosophie über subjektive Empfindungen nicht objektiv gesprochen werden kann. In der Literatur aber...

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Wahrnehmung beschreiben -What is it like to be a bat?- überschrieb der US-Philosoph Thomas Nagel einen 1974 erschienenen Essay, in dem er nachweisen wollte, dass in der Philosophie über subjektive Empfindungen nicht objektiv gesprochen werden kann. In der Literatur aber können wir das, wir sind in unserer Subjektivität gefordert und könnten sogar schreibend den Versuch unternehmen, als Fledermaus durch die Nacht zu fliegen. Gehen wir aber zunächst von unseren fünf Sinnen aus und reflektieren, wie unsere Wahrnehmung viel mehr ist als die Summer aller möglicher Sinneseindrücke – wie sie die Grundlage unserer Erfahrung von Welt ist. Über Maurice Merleau-Pontys Phänomenologie der Wahrnehmung kommen wir zu Texten historischer und zeitgenössischer Autoren, und untersuchen, wie Wahrnehmung beschrieben werden kann. Wir lesen bei Emmanuel Bove, den Beckett als wandelndes Wahrnehmungslexikon schätzte, zu welcher Dichte Literatur finden kann, wenn ein Autor einen Zusatzsinn für berührende Details (Beckett über Bove) hat. Wir analysieren, wie Siri Hustvedt versucht, sich dem unkontrollierbaren Zittern anzunähern, das sie immer wieder überfällt. Wir kosten mit dem jungen Lyriker Jan Wagner Worte aus, als würden wir sie zum ersten Mal probieren, kurz: wir erkunden die Möglichkeiten, die Autoren haben, um ihre Wahrnehmung in Sprache zu übersetzen. Parallel dazu versuchen wir in einfachen, spielerischen Schreibübungen festzuhalten, wie uns unsere Sinne Welt vermitteln. Durch dieses Bewusstwerden schauen wir hinter die Gewohnheit. Das Ergebnis ist eine differenzierte, sensible und oftmals überraschende Sprachfertigkeit. Wir nehmen Abstand auf zum Kopieren von Bekanntem, zur Wiederholung immergleicher Formulierungen. Wir üben uns in der Fähigkeit, sprachlich präzis zu werden, Bilder zu finden, die sich jeweils aus uns heraus generieren und damit eine direkte Verbindung zu unserer Art der Wahrnehmung haben. Literaturhinweise u.a.: Maurice Merleau-Ponty: Phänomenologie der Wahrnehmung, Emmanuel Bove: Meine Freunde, Die Falle, Marcel Proust: Auf der Suche der verlorenen Zeit, Ingeborg Bachmann: Anrufung des großen Bären, Jan Wagner: Probebohrung im Himmel und Achtzehn Pasteten, Siri Hustvedt: Die zitternde Frau, Stephen King: Das Leben und das Schreiben Medien und Gesellschaft, Medien-/Sozialwissensch., Master, PO 2007 Universität Siegen WiSe 2011/12 Medienwissenschaft - Medienästhetik M.A. Mayer Schuchard Larissa M.A