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Uni-Siegen
14. März 2017

Wertung von Literatur und Kanon Modelle

Fast immer, wenn irgendwo über Literatur gesprochen oder geschrieben wird, stellt sich früher oder später die Frage nach dem künstlerischen Wert des Gelesenen. Daher hat sich in den letzten Jahrzehnten auch die Wertungsforschung als zentrales Forschungsfeld der Germanistik etabliert. Im...

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Fast immer, wenn irgendwo über Literatur gesprochen oder geschrieben wird, stellt sich früher oder später die Frage nach dem künstlerischen Wert des Gelesenen. Daher hat sich in den letzten Jahrzehnten auch die Wertungsforschung als zentrales Forschungsfeld der Germanistik etabliert. Im ersten Teil des Seminars stellen wir zunächst die Frage nach der Systematik von literaturbezogenen Wertungsakten. Aus welchen Komponenten setzen sich literaturbezogene Wertungshandlungen zusammen? Welche Bedeutung haben sprachliche und nicht-sprachliche Wertungsakte, die literarische Werke in den Blick nehmen? Welche konkreten Formen sprachlichen Wertens von Literatur lassen sich unterscheiden? Und schließlich: Welche Wertmaßstäbe kommen dabei zum Einsatz? Den praktischen Nutzen der von der systematischen Wertungsforschung gelieferten Begriffe und Konzepte werden wir dann anhand der literaturkritischen Rezeption von Alfred Döblins berühmtem Großstadt-Roman Berlin Alexanderplatz aus dem Jahr 1929 erproben, der im kriminellen Milieu der damaligen Reichshauptstadt spielt. Darüber hinaus werfen wir mit dem Literarischen Quartett Marcel Reich-Ranickis auch einen Blick auf das erfolgreichste literaturkritische Fernsehformat des deutschsprachigen Raums. Die Beschäftigung mit einem modernen Klassiker wie dem angesprochenen Roman Döblins wirft dabei gleichzeitig auch die Frage nach Prozessen der Kanonisierung literarischer Werke auf, mit denen wir uns im zweiten Teil des Seminars eingehender beschäftigen werden. Was genau sind Kanones und welche Funktion(en) erfüllen sie? Welche literaturwissenschaftlichen Modelle der Entstehung von Kanones gibt es? Und schließlich: Haben Kanones in unserer heutigen demokratisch-pluralistischen Gesellschaft überhaupt noch eine Berechtigung? Alfred Döblin. Berlin Alexanderplatz. Die Geschichte vom Franz Biberkopf, Frankfurt: S. Fischer (2008) Simone Winko: -Literarische Wertung und Kanonbildung- In: Heinz Ludwig Arnold u. Heinrich Detering (Hg.): Grundzüge der Literaturwissenschaft, München: Deutscher Taschenbuch Verlag (1996ff.), S. 585-600. Fakultät I - Philosophische Fakultät Das Seminar ist so konzipiert, dass Gruppenarbeitsphasen und Plenumsphasen einander abwechseln. Lesen Sie zur Vorbereitung den unten angegebenen Text von Simone Winko. Sie müssen den Döblin-Roman nicht gelesen haben, da wir uns ja auf die literaturkritische Rezeption des Werkes konzentrieren. Es schadet aber auch nicht, wenn Sie mit dem Werk vertraut sind. Weitere Literatur werden wir im Rahmen der Seminardurchführung einbeziehen. Senden Sie mir bitte eine Email, damit ich Sie in meine Verteilerliste übernehmen und mit den neuesten Information versorgen kann. Universität Siegen SoSe 2012 Dr. Berlemann Dominic