Uni-München
14. März 2017Wissenschaftliche Übung Skandinavische Tiersymbolik im ersten Jahrtausend nach Christus Ansätze zur Deutung germanischer Bildzeugnisse mit Hilfe von Text und Bildquellen
Eine eigenartige, komplexe Bilderwelt ist seit dem 3. Jahrhundert im Norden präsent. Auf Kleidungsbestandteilen und Schmuck, auf Waffen und sogar auf Häusern und Schiffen wurden regelhaft figürliche Darstellungen angebracht. Hauptsächlich waren es Tierbilder: Pferde, Schweine, Vögel und Schlangen, aber auch...
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Jetzt Lernplan erstellenEine eigenartige, komplexe Bilderwelt ist seit dem 3. Jahrhundert im Norden präsent. Auf Kleidungsbestandteilen und Schmuck, auf Waffen und sogar auf Häusern und Schiffen wurden regelhaft figürliche Darstellungen angebracht. Hauptsächlich waren es Tierbilder: Pferde, Schweine, Vögel und Schlangen, aber auch seltsame Wesen wie zweibeinige Vierbeiner oder Vierbeiner mit Menschenköpfen krabbeln dort hintereinander her oder sind ineinander verwickelt, oft sogar zu diffizilen, flächenfüllenden Mustern geformt. Sie sind uns auf zahlreichen archäologischen Fundstücken erhalten und treten über weite Regionen Nordeuropas in erstaunlich genormter Form auf. Daneben zeugen ebenfalls literarisch überlieferte Personennamen, Mythen und Sagas, aber auch sowohl aus archäologischen Befunden wie auch Texten bekannte Bräuche wie Tierorakel und Tieropfer, von einer gewissen Tierorientierung der Germanen. Keinerlei zeitgleiche einheimische Schriftquellen geben heute ausführliche Aufschlüsse über die Hintergründe und Bedeutungen dieser tierbezogenen Vorstellungen, über die Symbolik der Bilder und deren Zwecke. Wie also ist der Code dieser Bilder zu dechiffrieren?
Die Übung wendet sich sowohl an Studierende der Skandinavistik wie auch der Ur- und Frühgeschichte. Sie soll zunächst dazu befähigen, die komplizierten Tierfiguren von der Kaiser- bis zur Wikingerzeit richtig zu lesen. Wurzeln, Einflüsse und Entwicklungen der -Tierstile- werden benannt, eine Methodik zur Rekonstruktion der ehemaligen Bedeutung der germanischen Bildersprache erarbeitet. Mit Hilfe von altnordischen Textquellen sollen dann Ansätze zum Verständnis der Bilder im allgemeinen und zur Deutung einzelner Darstellungen gegeben werden. Dazu werden herausragende archäologische Funde betrachtet, etwa die Thorsberger Zierscheiben, Urnen, die Goldhörner von Gallehus, Brakteaten, Prachtfibeln, Schutz- und Angriffswaffen, Pferdegeschirre sowie auch gotländische Bildsteine. Mit Hilfe solcher Zeugnisse ist es möglich, den germanischen Menschen des Nordens und ihren religiösen wie gesellschaftlichen Vorstellungen trotz des Fehlens zeitgleicher Schriftquellen näher zu kommen und ihre kulturellen Grundlagen vor der Christianisierung zu erkennen.
Department I - Germanistik, Komparatistik, Nordistik, Deutsch als Fremdsprache
LMU München
WiSe 1415
Dr. phil. habil.
Pesch Alexandra phil habil