Erwerb interkultureller Handlungskompetenz
Erwerb interkultureller Handlungskompetenz
Cultural Diversity: Erwerb interkultureller Handlungskompetenz in Bezug auf die Gruppe der Spätaussiedler aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion
Fortschreitende Globalisierung und der demographische Wandel haben dazu geführt, dass Deutschland ein Zuwanderungsland ist und auf lange Sicht auch bleiben wird. Daher ist es sehr wichtig, Rahmenbedingungen zu schaffen, die ein konfliktfreies Miteinander von Inländern und Migranten ermöglichen. Einen wesentlichen Beitrag dazu leistet die interkulturelle Handlungskompetenz, die in diesem Seminar das Ziel verfolgt, durch die Vermittlung von konkretem Wissen über eine andere Kultur für das Fremde zu sensibilisieren und insofern die persönliche Kompetenz für Transferleistungen, im Umgang mit Menschen, die einen anderen soziokulturellen Hintergrund haben, durch eine intensivere Reflexion zu stärken.
Inhalt "Cultural Diversity"
Im Zentrum der Betrachtung steht dabei die Migrationsbiographie und der soziokulturelle Hintergrund der Gruppe der Spätaussiedler, die als sozial und rechtlich diskriminierte Minderheiten mit nur geringen Möglichkeiten der Wahrung ihrer kulturellen Identität, seit Beginn der 1950er Jahre aus Osteuropa in die Bundesrepublik Deutschland immigrieren. Spätaussiedler sehen sich im Rahmen ihrer nationalen und personalen Identität als Deutsche und verfolgen durch ihre Einwanderung das Ziel, in das Land ihrer Vorfahren zurückzukehren. Dementsprechend ermöglicht das Seminar zunächst einen Einblick in die Historie der Rußlanddeutschen, deren Vorfahren vor mehr als zweihundert Jahren aus Deutschland in das zaristische Rußland auswandert sind. Da Spätaussiedler keine Einzelwanderer sind, sondern das eigentliche Migrationssystem von der Zeugungs- und/oder Orientierungsfamilie gebildet wird, ist es die Intension, im weiteren Verlauf, neben dem stärkeren Bewußtwerden der diesbezüglichen eigenen kulturellen Prägung und der damit verbundenen Einstellungen und Verhaltensweisen, das Großfamilienverständnis der Spätaussiedler zu betrachten - insbesondere die Priorität der Familie, einschließlich der Hoheitsstellung der Eltern, der Grad der Familienzentriertheit, emotionale und räumliche Verbundenheit und Nähe sowie im Sinne der Reziprozität, die wechselseitige Verpflichtung der Familienmitglieder. Außerdem wird aufgezeigt, welche Einstellungen Spätaussiedler zum Demographischen Wandel und zur hiesigen Pluralität der Privatheit haben; dabei geht es vor allem um die in unserer Gesellschaft zu konstatierende verminderte Heiratsneigung, hohe Scheidungsraten, vermehrte Kinderlosigkeit, verstärkte Etablierung NELG`s, Single-Haushalte und der Lebensform Alleinerziehend. Des Weiteren wird der Binnenraum der Spätaussiedlerfamilie erhellt. Hier stehen Erziehungsstile, die Hierarchie im Eltern-Kind-System, die Rolle der Spätaussiedlerin sowie das Geschlechterverhältnis und die Arbeitsteilung im Zentrum. Schlussendlich soll auch die Gruppe der Aussiedler-Jugendlichen thematisiert werden; diesbezüglich werden vor allem die schulische und berufliche Lage in Deutschland, Freizeitverhalten sowie die Devianz- und Deliquenzproblematik erörtert. Sitten und Bräuche sowie Formen des Umgangs dieser Ethnie, sollen die vorstehend genannte Vielfalt der Themen unterfüttern.
Quellen
Schäfer, H. 2002: >Junge Russen< in Deutschland Aussiedler verloren zwischen Herkunft und Zukunft? In: Arbeitsstelle Kinder- und Jugendkriminalitätsprävention <München> (Hrsg.): Die mitgenommene Generation. München.
Bauer, D. 2007: Aussiedlerfamilien zwischen Tradition und Moderne. Saarbrücken.
Fischer, V. 2005: Interkulturelle Kompetenz. Schwalbach/Ts.-Limesstadt
Geißler, R. 2006: Die Sozialstruktur Deutschlands. 4., überarbeitet und aktualisierte Aufl. Wiesbaden.
Ingenhorst, H. 1997: Die Russlanddeutschen. Aussiedler zwischen Tradition und Moderne. Frankfurt am Main.
Meyer, T. 2006: Private Lebensformen im Wandel. In: R. Geißler: Die Sozialstruktur Deutschlands. 4., überarbeitet und aktualisierte Aufl. Wiesbaden, S. 331-357.
Nave-Herz 2002: FAMILIE HEUTE. Wandel der Familienstrukturen und Folgen für die Erziehung.
Nave-Herz, R. 1998: Die These über den Zerfall der Familie. In: J. Friedrichs/M. R. Lepsius/K. U. Mayer (Hrsg.): Die Diagnosefähigkeit der Soziologie. Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, Sonderhefte, begründet durch René König. Wiesbaden, 286-315.
Tröster, I. 2003: Wann ist man integriert? Frankfurt am Main.
Termine
Veranstaltungsart Kompaktseminar Cultural Diversity: Erwerb interkultureller Handlungskompetenz in Bezug auf die Gruppe der Spätaussiedler aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion
Veranstaltungsnummer 3334000001
Semester SS 2008 SWS 2.0
Erwartete Teilnehmer 25
Do. 14:00 bis 16:00 Einzel 15.05.2008 bis
15.05.2008 H - H-B 6414 Vorbesprechung
Fr. 10:00 bis 16:00 Einzel 13.06.2008 bis
13.06.2008 PB - PB-A 044
Sa. 09:00 bis 16:00 Einzel 14.06.2008 bis
14.06.2008 H - H-A 3102
Fr. 10:00 bis 16:00 Einzel 20.06.2008 bis
20.06.2008 PB - PB-A 044
Sa. 10:00 bis 14:00 Einzel 21.06.2008 bis
21.06.2008 H - H-A 3102


